Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Panorama Von Stiefvater missbraucht: Fremde rettet 16-Jährige nach Hilferuf auf Parkbank
Nachrichten Panorama Von Stiefvater missbraucht: Fremde rettet 16-Jährige nach Hilferuf auf Parkbank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 11.02.2019
Verzweifelte Suche nach Hilfe: So hinterließ das missbrauchte Mädchen den Zettel. Quelle: privat
Leipzig

Der Zettel auf einer Parkbank in Leipzig war dreifach zusammengefaltet. Er war mit ein paar Stücken Baumrinde beschwert, damit der Wind in nicht wegweht. Ein Wort war oben darauf zu lesen: „Hilfe.“ Man mag sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn Sandra U. (30) an jenem Morgen des 21. Juli 2018 achtlos daran vorbeigegangen wäre. Doch sie nahm den Hilferuf ernst und deckte damit einen erschütternden Missbrauchsfall auf. Seit Mitte Januar wird dem mutmaßlichen Täter nun am Landgericht Leipzig der Prozess gemacht, wie die Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) berichtet.

„Ich war früh mit dem Hund unterwegs“, erinnert sich die Leipzigerin. „Meine Freundin war schon an der Bank vorbei gelaufen und sagte noch: ,Guck mal, da liegt was´“. Sandra U. entschloss sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie hob den Zettel auf, faltete ihn auseinander und las. Der erste Satz lautete: „Wer das findet, bitte helft mir!“ In offenbar hastig dahingeschriebenen Sätzen schilderte darin ein mittlerweile 16-jähriges Mädchen, dass es seit Jahren von ihrem Stiefvater vergewaltigt wird.

Sandra U. zeigt den Zettel vom Missbrauchsopfer auf einer Bank in Leipzig. Quelle: Kempner

Verdächtiger 34-Jähriger festgenommen

„Mein erster Gedanke war: Sowas denkt sich keiner aus“, erinnert sich Sandra U., „aufgrund der konkreten Daten, Namen und Adressen war für mich klar: Das ist ernst.“ Von zu Hause rief sie die Polizei an, wenig später holten Beamte den Zettel des Missbrauchsopfers bei ihr ab. Kurz darauf wurde Steffen S. (34) als Tatverdächtiger festgenommen, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Und für die verzweifelte und gequälte Schülerin war das Martyrium vorbei.

Der Angeklagte Steffen S. im Gerichtssaal: Jahrelang soll er seine Stieftochter missbraucht haben. Quelle: Andre Kempner

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war das Kind gerade mal elf Jahre alt, als sie von ihrem Stiefvater das erste Mal zum Oralverkehr gezwungen wurde. Um ihre Gegenwehr zu brechen, soll er dem kleinen Mädchen, das sich vor dem erwachsenen Mann ekelte, Mund und Nase zugehalten, bis es Atemnot bekam.

Die Übergriffe sollen sich im Kinder- und Schlafzimmer der Wohnung der Familie ereignet haben, zum Teil auch in der Wohnung des Angeklagten und sogar im Auto im Parkhaus eines Einkaufszentrums. Sie erlitt dabei erhebliche Schmerzen. Der Beschuldigte soll sie auch gezwungen haben, sich in sexuellen Posen fotografieren zu lassen. Die Anklageschrift listet insgesamt 24 Fälle zwischen März 2013 und Juli 2018 auf. Mitte Januar begann der Prozess gegen den Mann, geplant sind fünf Verhandlungstage bis in den März hinein. Das betroffene Mädchen und seine Mutter sind als Nebenkläger an der Hauptverhandlung beteiligt.

Im Zweifel die Polizei rufen

Sandra U. hörte lange nichts mehr von dem Fall. „Erst als ich den Bericht vom Prozessauftakt in der LVZ gelesen habe, dachte ich: Du hast etwas Gutes gemacht, dieser Typ ist in Haft“, sagt sie. „Ich bin froh, dass dieser Mensch verhaft ist und hoffe, das Mädchen kann diesen Albtraum bald verarbeiten.“ Doch gab es nicht zwischendurch Zweifel, ob die Geschichte mit dem Zettel nicht doch nur ein ganz übler Scherz war? Denn wie oft kommt es schon vor, dass Opfer schwerer Verbrechen keinen anderen Ausweg sehen und sich auf diese ungewöhnliche Weise Gehör verschaffen und um Hilfe flehen?

Sandra U. hat auch über diese Frage immer wieder nachgedacht. Doch am Ende steht sie zu dem, was sie getan hat. „Die Entscheidung, ob etwas dahinter steckt oder nicht, die möchte ich als Laie nicht treffen, das ist Sache der Polizei, die haben dafür Mittel und Möglichkeiten, um solchen Dingen nachzugehen.“ Auch Fachleute raten dies, wenn jemand Kenntnis von einer mutmaßlichen Straftat erhält: Im Zweifel ist es immer richtig, die Polizei zu rufen und nicht einfach wegzuschauen.

Von RND/LVZ

Pur-Sänger Hartmut Engler ist Botschafter der Alphabetisierungskampagne des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Er sei „echt erschlagen“ davon, dass in Baden-Württemberg rund eine Million Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben können.

11.02.2019

Sie belagern Wohnhäuser und öffentliche Gebäude – von einer „aggressiven Invasion“ ist die Rede. Nachdem Dutzende Eisbären in eine russische Siedlung nördlich des Polarkreises eingedrungen sind, haben die Behörden nun mit der Vertreibung begonnen. Und das mit einer ganz besonderen Technik.

11.02.2019

Vor mehr als fünf Jahren entwendeten Einbrecher in Castrop-Rauxel einen Ehering. Nun wurde das gute Stück wiedergefunden: Als die Polizei ein Auto an der Nähe der tschechischen Grenze durchsuchte.

11.02.2019