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Panorama „Riecht nach Blut und Boden“: Unternehmer provoziert Gedenkstätte mit Wehrmachtssymbol
Nachrichten Panorama „Riecht nach Blut und Boden“: Unternehmer provoziert Gedenkstätte mit Wehrmachtssymbol
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11:16 21.05.2019
Löst Beschwerden bei den Besuchern der Gedenkstätte Bergen-Belsen aus: Ein Findling des Unternehmers Jürgen Lindhorst mit der sogenannten Wolfsangel. Quelle: privat
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Celle

Ein Findling an der Einfahrt zum Anwesen eines Unternehmers erregt in Niedersachsen die Gemüter. Auf dem Hofstein in Winsen an der Aller im Landkreis Celle sind der Familienname in altdeutscher Schrift und eine Wolfsangel zu sehen. Weil Rechtsextreme und Neonazis das Zeichen gern nutzen, ist es im politischen Kontext verboten. Als Symbol auf Forstgrenzsteinen bleibt die Wolfsangel jedoch weiterhin erlaubt.

„Das riecht nach Blut und Boden“

Da sie direkt an der Straße zu einer Gedenkstätte in Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide zu sehen ist, haben sich in den vergangenen Wochen Besucher beschwert. „Das riecht nach Blut und Boden“, sagt Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten der Peiner Allgemeinen Zeitung (PAZ). Er unterstellt dem Unternehmer ethisch instinktloses und geschichtsvergessenes Handeln.

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Der Unternehmer mit den Geschäftsfeldern Landwirtschaft und Immobilien weist die Vorwürfe zurück. Schon weit vor dem Krieg habe sein Urgroßvater einen Hofstein mit Wolfsangel besessen, er selbst habe den neuen Findling wiederum vor etwa drei Jahren an der Straße aufgestellt – und werde ihn trotz der Beschwerden auch nicht entfernen.

Verbot gestaltet sich schwierig

Wie der Rechtsextremismus-Experte Obenhaus der PAZ erklärt, war die Wolfsangel ein Jagdgerät, das zum Fang von Wölfen benutzt wurde, wahrscheinlich schon seit dem achten Jahrhundert. Das allgemeine Symbol der Forstwirtschaft sei dann allerdings auch von nationalsozialistischen Kräften als offizielles Zeichen von Wehrmachtsverbänden benutzt worden.

Ein Verbot gestaltet sich schwierig: Dafür müsste das Symbol im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus oder den verbotenen Gruppierungen gezeigt werden. Zwar gebe es die Möglichkeit, dagegen rechtlich vorzugehen, wobei die Gesetzeslage eben nicht so eindeutig sei wie etwa bei einem Hakenkreuz.

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Von Johanna Stein