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Panorama Wer braucht hier einen Korb?
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19:56 19.08.2016
Von Uwe Janssen
Es ist ein Schauspiel: Eine ganz besondere Sorte von Supermarktkunden kann immer wieder dabei beobachtet werden, wie sie die Standardtransportmittel ignorieren und sich mit bloßen Händen und allerlei Stapeltricks bis zur Kasse kämpfen. Quelle: PicBasement / CC BY 2.0
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Es ist eigentlich alles ganz einfach: Man geht in einen Supermarkt, nimmt sich einen Korb oder einen Wagen, kauft ein, bezahlt, verlädt den Einkauf in mitgebrachte Transportbehältnisse und zieht von dannen. Wie gesagt, ganz einfach, und die meisten Menschen machen es genau so.

Vielleicht ist es Zufall, dass es vor allem männliche Einkäufer sind, bei denen es vor allem im ersten Teil zu Abweichungen kommt. Gespeist aus den Gedankengängen "Wagen – kauf ich für vier Wochen ein oder was?" und "Was ich in diesen kleinen Korb reinbekommen, kann ich auch so tragen". Beiden Einschätzungen, getrieben von einer Mischung aus Maskulinität und Planungsfaulheit, ist eine gewisse Realitätsferne nicht abzusprechen.

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Maskulinität und Planungsfaulheit

Das Gute: Man kann es sehen. Es ist ein Schauspiel. Ein Drama. Beginnend mit dem lässigen Checker, der sich wippend drei Früchte, auch unterschiedlicher Art, aus dem Frischeregal nimmt und lässig mit ihnen jongliert. Wenn das Brot dazukommt, wird eine Hand gebraucht, sodass eine Frucht, sagen wir: ein Apfel, unter den Arm geklemmt wird, in olfaktorisch bedenklicher Nähe der Achselhöhle.

Feste Packungen wie Kaffee, Nudeln oder Tetrapaks werden jetzt nach und nach auf dem Brot gestapelt und lässig an die Brust gelehnt, alles locker. Weichteile wie Schinken und Camembert kommen auf die Eierpackung, die sich in der anderen Hand zur Birne gesellt, dafür verschwindet der Pfirsich unter den Arm neben den Achselapfel.

Ein Finger ist immer noch frei

Die Joghurts – stimmt, die Joghurts! Aber dafür eine Hand freigeben? Wenn keiner guckt, kann man sie mit dem Mund aus dem Kühlregal heben, hoffen, dass dabei die gesamte Palette nicht hochgezogen wird und die Becher dann auf den an die Brust gelehnten Stapel fallen lassen. Dabei leichte Rückenlage einnehmen, damit nichts vorne runterfällt.

Der Sechserträger – Angebot!!! –  sollte am kleinen Finger bis zur Kasse halten. Das schmerzverzerrte Gesicht sieht man hinter dem Joghurt nicht. Und in der Kassenschlange: Durchhalten. Kein Vortrittsangebot annehmen! Locker bleiben! Wippen! Schweiß verbergen! Mit dem Apfel.

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