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Panorama Zombies auf Monsterjagd
Nachrichten Panorama Zombies auf Monsterjagd
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19:56 12.08.2016
Von Imre Grimm
Wer weder Populisten mit schlechten Frisuren ertragen will, noch sich überwinden kann, mit virtuellen Bällen nach virtuellen Tierchen zu werfen, hat momentan ein Problem. Bericht eines Betroffenen. Quelle: Alton Jefferson / CC BY-SA 2.0

Ich weiß, was Einsamkeit bedeutet. Ich berichte seit Jahren als heterosexueller Journalist vom Eurovision Song Contest. Man muss mir nicht erklären, wie es ist, zwischen glücksbesoffenen Gleichgesinnten in der Minderheit zu sein.

Und doch fühle ich mich in letzter Zeit auf eine neue, verstörende Weise ausgestoßen und isoliert zwischen Menschen, deren Gebaren mir fremd ist. Der Grund ist: Ich spiele nicht "Pokémon Go". Ich will einfach nicht. Es interessiert mich ungefähr so sehr wie der neue Liebhaber von Sylvie van der Vaart.

Lieber Monster als Trump

Ich finde es grundsätzlich begrüßenswert, wenn Menschen digitale Monster jagen, statt zum Beispiel Donald Trump zu wählen oder Religionskriege zu führen. Auch bin ich der Ansicht, dass Smartphonebesitzer im öffentlichen Straßenverkehr gar nicht oft genug gegen Laternen laufen können. Das entspricht genau meinem Humor und ist gut für die Durchblutung.

Für mich persönlich kommt es freilich nicht infrage, mit virtuellen Pokébällen auf japanische Quietschungeheuer zu werfen, die alle heißen wie schwule Ikea-Möbel (Schiggy? Smettbo? Pummeluff? Echt jetzt?). Ich möchte nicht, dass mich irgendeine Monster AG mit animiertem Sternenstaub oder digitalen Bonbons belohnt. Wenn überhaupt, dann möchte ich echte Bonbons und echten Sternenstaub.

Wasserbomben und Straßensperrungen

Zombies auf Monsterjagd. Die Zeitungen sind voll von Meldungen über Menschen, die wegen "Pokémon Go" irgendwo Klippen herunterfallen, Kreuzungen blockieren oder Kriege auslösen. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass nach unten gucken und nach vorne laufen keine Erfolg versprechende Kombination ist. Es gibt eine Unfallversicherung speziell für "Pokémon-Go"-Spieler.

In den USA stellte sich ein Krimineller der Polizei, um sein Handy aufladen zu können. In Sydney warfen genervte Einwohner echte Wasserbomben und Eier auf Pokémon-Jäger, die gleichzeitig virtuelle Pokébälle auf Pokémon warfen.

Sollten uns vom Weltall aus Außerirdische beobachten, ist es kein Wunder, dass sie bisher keinen Kontakt aufnahmen: Die eine Hälfte der Menschheit läuft blind im Kreis, während die andere Hälfte Populisten mit schlechten Frisuren wählt. Wenn ich als Alien sähe, was hier unten los ist, würde ich die Erde weiträumig umfliegen. Schönes Wochenende!

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