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Panorama Offroad-Sehnsüchte junger Väter
Nachrichten Panorama Offroad-Sehnsüchte junger Väter
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20:23 18.09.2015
Von Imre Grimm
Cross-Autos: Sie bringen ein Hauch von Action und Freiheit in den Familienalltag. Quelle: dpa
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Für den motorisierten Transport einer Kleinfamilie bietet der Fachhandel eine einschüchternde Vielfalt von Varianten an. Im Schnitt läuft es auf ein Model der Kategorie CompactSportsSoft­RoaderMiniCityVan hinaus, mal mit, mal ohne "Cross". "Cross"-Modelle sind Autos, die so tun, als ob. Die beides wollen: brav und böse, bieder und bitchy, Country und Western, rechts wie links.

Familienväter, deren Offroad-Sehnsüchte in feuchte Hobbykeller ausgelagert wurden, dürfen sich dank gewellten Plastiks am Unterboden fühlen wie Django im mexikanischen Grenzland. Auch wenn sie in Wahrheit nur die Zwillinge zum Ballett kutschieren. Ein Auto für Outlaws mit Shell-Atlas. Ein koffeinfreier Pseudo-Army-Rover mit Klimaautomatik und Römersitz. Außen Cross, innen Spross.

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Wer "Cross"-Modelle fährt, merkt ziemlich schnell, dass die A 7 nicht die Panamericana ist. Die Frontpartie des "VW Touran Cross" zum Beispiel ziert ein angedeuteter Kuhfänger, der aber auch nur angedeutete Kühe fängt.

Das "Cross"-Modell ist die große Koalition des Autobaus. Das Hemdblusenkleid des Individualverkehrs. Braves Biedermeier meets Joe Dalton. "Cross"-Fahrer verhalten sich zum echten Highlander wie "Landlust"-Leser zu Goldsuchern im Klondike. Die Hälfte von ihnen hält "Crossover" für die oberste Schicht der Lasagne. Ihre Outdoor-Erfahrungen beschränken sich auf verregnete Schulfeste. Sie besitzen 13 Fünf-Euro-Multitools aus dem Baumarkt, aber ihr letztes echtes Abenteuer ist eine rot leuchtende Tankanzeige. Oder wenn Einar-Elias’ zweite Stoppersocke fehlt.

Die Straße verlassen? Vergessen Sie’s. Jede Butterblümchenwiese ist zu viel für den "Polo Cross". Kaum spürt das Auto, dass es die geteerte Welt verlassen hat, kriegt es Panik. Darin ähnelt es nicht selten seinem Fahrer, den es zwar nach ein bisschen Wellness-Wildnis verlangt, der aber nach zwei Nächten im Bulli auch ganz gerne wieder in die heimischen Federn sinkt.

Es ist das stumme Band, das Fahrer und Fahrzeug verbindet: Lass mal nicht übertreiben mit diesem Naturdings. Nachher tun wir uns da draußen irgendwas und gehen kaputt. Und eine laute Hupe ersetzt keine Bremsen. Schönes Wochenende!

Deutsche Presse-Agentur dpa 15.09.2015
Deutsche Presse-Agentur dpa 15.09.2015
Deutsche Presse-Agentur dpa 15.09.2015