Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Politik Grüne lenken ein und ernten Kritik
Nachrichten Politik Grüne lenken ein und ernten Kritik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:54 31.08.2014
Von Ulf Billmayer-Christen
Grünen-Chefin Ruth Kastner will einen „Infrastrukturfrieden“. Quelle: dpa
Kiel

Während die SPD sich mit Kritik am Koalitionspartner zurückhielt, fand der SSW deutliche Worte.

Stolz hatte Grünen-Chefin Ruth Kastner am Donnerstag zunächst berichtet, der Vorschlag sei mit der Wirtschaft im Norden diskutiert worden – und keineswegs durchgefallen. Im Gegenteil: „Die Logistikbranche möchte eine schnelle und gute Alternative, da die Finanzierung der Elbquerung bei Glückstadt nicht gesichert ist.“

 Die Reaktionen auf den Grünen-Vorstoß hatten dann allerdings eine etwas andere Tonlage. Die Unternehmensverbände lobten die Idee nur knapp als „diskussionswürdig“, um noch im gleichen Satz klarzustellen, dass der Vorschlag „in großen Teilen an den Anforderungen an die Wirtschaft vorbei“ gehe.

 „Wir brauchen die A20 in der bisherigen Streckenplanung“, sagte Verbandspräsident Uli Wachholtz. „Eine Elbquerung bei Brunsbüttel erfüllt nicht die notwendige Bypass-Funktion, die eine Elbquerung bei Glückstadt für die Verkehre um Hamburg bietet.“ Noch deutlicher wurde Wachholtz mit Blick auf den Vorschlag einer Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven. Sie gehe „ein Stück weit an der Realität vorbei“.

 Die IHK zu Kiel winkte ebenfalls ab. „Die Wirtschaft braucht eine vierspurige Ost-West-Verbindung und eine Elbquerung, die leistungsfähig, verlässlich und zu jeder Tag- und Nachtzeit verfügbar sein muss“, stellte IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater klar. Das seien Mindeststandards. Abstriche daran würden der Wirtschaft schaden.

 Ex-Verkehrsminister Dietrich Austermann sprach von einem „Täuschungsmanöver“. Pläne für eine Elbquerung bei Brunsbüttel seien schon vor Jahrzehnten „ventiliert und verworfen“ worden, sagte der CDU-Politiker, der einst Bürgermeister in Brunsbüttel war.

 Die Idee mit der Fähre in Brunsbüttel sei „affig“, ergänzte Austermann mit Blick auf die bestehende Verbindung zwischen Glückstadt und Wischhafen. Den Grünen gehe es nur darum, in der Öffentlichkeit nicht mehr als Blockadepartei dazustehen. Das gelte auch für den Landtag. Er muss sich in zwei Wochen mit der erfolgreichen Pro-A20-Volksinitiative befassen, die Austermann mit angeschoben hatte.

 CDU und FDP ließen kein gutes Haar am Alternativmodell. „Mit diesem vergifteten Angebot wollen die Grünen die westliche Elbquerung beerdigen und die A20 endgültig verhindern“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Reimer Böge. „Mehr Scheinheiligkeit geht wohl nicht“, ergänzte der FDP-Verkehrspolitiker Christopher Vogt. Die Grünen hätten den A20-Weiterbau viele Jahre politisch nach Kräften blockiert und beklagten nun, dass die Trasse nicht vorankomme und so teuer geworden sei.

 Kritik kam auch aus der Koalition. SSW-Fraktionschef Lars Harms sprach von einem „unrealistischen“ Vorschlag: „Die Tangente neu zu planen, würde uns 20 Jahre zurückwerfen. Das wäre den Menschen im Land weder vermittelbar noch zumutbar.“

 Für Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck hat die Grünen-Idee dagegen „einen gewissen Charme“, weil die Stadt einen Autobahn-Anschluss bekäme. Wichtiger als dies sei aber, bei der Elbquerung Nägel mit Köpfen zu machen. „Wir haben schon genügend Zeit verplempert.“

 Kastner will die Alternativtrasse jetzt bis 2016 in der Öko-Partei diskutieren. 2017 ist Landtagswahl.