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Politik "Digitale Revolution bietet viele Chancen"
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09:47 31.12.2018
Vor dem Tempo der Automatisierung hat Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) gewarnt. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Vor dem Tempo der Automatisierung hat Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) gewarnt. "Wir unterschätzen völlig, was für ein Transformationsprozess das ist", sagte Albrecht. Die Gesellschaft stehe vor einem enormen Wandel. "Das betrifft nicht nur technische Innovationen, es geht um eine Umwälzung des Zusammenlebens. Wir werden uns komplett revolutionieren als Gesellschaft, was Sozialsysteme, Arbeit, Mobilität und das Wirtschaften an sich betrifft."

Immer kürzere Zyklen

Nach Einschätzung Albrechts wird die Geschwindigkeit, mit der Maschinen immer komplexere Dinge zu beherrschen lernen, von vielen unterschätzt. "Der anstehende Wandel steht dem der Industrialisierung in wenig nach." Grund seien immer kleinere Entwicklungszyklen auf technischer Ebene. "Heute sind Innovationen innerhalb von einem Jahr erreichbar, für die man vor einiger Zeit noch ein Intervall von 15 oder 20 Jahren benötigt hat." Die immer kürzeren Zyklen in der Spitze wirkten sich auch in der Breite und damit für jeden spürbar aus.

Kein Randthema

"Das müssen wir als Politik überhaupt erst einmal realisieren", sagte Albrecht. "Wir müssen verstehen, dass Digitalisierung kein Randthema ist." Albrecht war lange Jahre Netzpolitiker im Europaparlament. Als Minister will er das Thema für die Bürger verständlicher machen. "Was an Digitalisierung diskutiert oder gemacht wird, bleibt bislang sehr technisch und sehr theoretisch. Das ist nicht in jeder Hinsicht falsch, aber für die Menschen schwer greifbar." Es sei oft nicht nachvollziehbar, was die Digitalisierung bringe, "abseits der Tatsache dass ich in Zukunft meine Anträge bei der öffentlichen Verwaltung auch über das Internet erledigen kann".

Norden als "Pionierland"

Dem eher agrarisch und mittelständisch geprägten Schleswig-Holstein bietet die digitale Revolution für Albrecht große Chancen. "Wir sind frei von
irgendwelchen Abhängigkeiten. Wir sind kein Land, in dem es eine riesige Stahl- oder Autoindustrie gibt, die den Prozess möglicherweise bremst." Die Kleinteiligkeit des Nordens erlaube viel schnellere Anpassungen als andernorts. "Wir können so etwas wie ein Pionierland werden, in dem sich kleine Unternehmen mit Entwicklern oder Start-ups zusammenschließen."

Schlüssel zur Lösung

Albrecht sieht in der Digitalisierung den Schlüssel zur Lösung vieler Probleme - auch im Agrarbereich. "Sie kann mithelfen, Landwirtschaft beispielsweise durch den digital präziser gesteuerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umweltverträglicher zu gestalten." Der Einsatz von Robotik und Automatisierung mithilfe künstlicher Intelligenz werde alle Wirtschaftszweige erfassen.

Keine Ehrfurchts-Erstarrung

Trotz aller Risiken der Digitalisierung sei er nicht Mahner, "sondern definitiv Ermunterer", sagte Albrecht. "Es hilft nicht, davor in Ehrfurcht zu erstarren und zu denken: Oh Gott, wenn wir jetzt nicht sofort den Anschluss an das Silicon Valley finden ist alles vorbei." Das Gegenteil sei der Fall. "Wir haben gerade deshalb eine Chance, weil das Silicon Valley nicht mehr in die Zeit passt." Es gehe darum, Digitalisierung mit nachhaltigen wirtschaftlichen und ökologischen Zielen zu verbinden. "Und da haben wir eine große Chance."

Spezielle Förderung möglich

Schleswig-Holstein entwickle eine große wirtschaftliche Dynamik im IT-Bereich, sagte Albrecht, der im vergangenen Jahr den Grünen-Bundeschef Robert Habeck als Digitalisierungs- und Umweltminister im Norden beerbte. «Schleswig-Holstein ist zwar kein Silicon Valley." Die Szene im Norden sei aber von vielen kleinen Akteuren geprägt, die gut vernetzt sind. "Wir können zwar nicht mit der Gießkanne Geld ausgeben, aber wir können dafür sorgen, dass Akteure spezielle Förderung erhalten."

Für ihn sei klar, dass die Digitalisierung jeden politischen Bereich betreffe: "Sie muss deshalb ins Zentrum der politischen Auseinandersetzung."

Von RND/dpa

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