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Nachrichten Politik Hamburger Skipper Boris Herrmann segelt mit Greta ins Abenteuer
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15:32 04.08.2019
Pierre Casiraghi (links) und Boris Herrmann unter Deck der emissionsfreien Rennyacht: Die beiden Segler bringen Greta Thunberg zum Klimagipfel nach Amerika. Quelle: Martin Messmer/dpa
Hamburg

Seiner Verantwortung ist sich Boris Herrmann bewusst. In wenigen Tagen wird der deutsche Profisegler Greta Thunberg nach Amerika bringen. Dort nimmt die junge Umweltaktivistin am Klimagipfel der Vereinten Nationen teil. „Ich werde alles tun, damit sie New York auf dem sichersten Weg erreicht, der möglich ist. Das ist mein Job“, sagt Herrmann.

Um klimaneutral von Europa in die USA zu reisen, heuert Thunberg auf Herrmanns „Malizia“ an. Gebaut für den Einmannbetrieb, bietet die Einrumpfyacht kaum Platz – und keinerlei Komfort. Unter Deck ist es düster, es gibt eingeschweißtes Essen, keine Dusche, nicht mal eine Toilette. „Man kann sich das wie beim Camping in der Wildnis vorstellen“, sagt Herrmann. „Auf das Duschen kann man sicher eine Zeit lang verzichten“, und fürs Geschäft gebe es biologisch abbaubare Beutel, die anschließend über Bord geworfen würden.

Bis zu 30 Knoten schnell kann der Renner übers Meer rasen, ab 15 Knoten Geschwindigkeit versteht man unter Deck kaum mehr sein eigenes Wort, ab 20 Knoten wird es unangenehm. Die harten Schläge der Wellen im Seegang können die Segler ohne Vorwarnung treffen und von den Füßen holen. Und dennoch: Mit genau diesem Boot will die junge Schwedin an der Seite ihres Vaters Svante den Nordatlantik überqueren.

Der Kontakt zu Greta kam über das Königshaus zustande

Was sie freuen dürfte: „Die Yacht verursacht keine CO2-Emissionen und stellt über Solarzellen auf dem Boot eigenen Strom her. Der Segler ist zu 100 Prozent unabhängig von fossilen Brennstoffen“, sagt Herrmann. Mit an Bord ist Pierre Casiraghi, Co-Skipper, Sohn von Prinzessin von Monaco. Hochsee-Profi Herrmann und der Monegasse kennen sich seit langen Jahren, bestreiten gemeinsam regelmäßig Hochseerennen.

Die „Malizia“ segelt unter monegassischer Flagge und wird vom Yacht Club de Monaco unterstützt. Casiraghi selbst war es dann auch, der, nachdem Greta öffentlich machte, dass sie eine Mitfahrgelegenheit sucht, über Freunde der Thunbergs telefonisch Kontakt aufnahm. Von da an nahm das Abenteuer mit ungewissem Ausgang seinen Lauf. Filmemacher Nathan Grossman wird die gesamte Überfahrt dokumentieren. 14 Tage, so schätzt Herrmann, soll es dauern – wenn nichts schiefgeht.

Dass es Herrmann, der gebürtige Oldenburger, ist, den Greta Thunberg für ihre Reise ausgewählt hat, – und es soll einige Aspiranten auf den Job gegeben haben – liegt nahe: Herrmann engagiert sich seit Langem für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Er gibt ehrenamtlich Naturschutzseminare für Schüler, sammelt auf seinen Törns Umweltdaten zum Zustand der Meere. Und: Er ist ein großer Greta-Fan.

„Es ist inspirierend ihr zuzuhören“

Spätestens seit er die 16-Jährige bei einer Umweltdemo in seiner Wahlheimat Hamburg sah. „Es ist inspirierend, ihr zuzuhören“, sagt der 38-Jährige. Die Kraft der Botschaft liege in ihrer Klarheit und Fokussierung. „Sie hat auch mir noch mal die Augen geöffnet.“ Dreimal schon hat Herrmann die Welt umsegelt. Im nächsten Jahr nimmt er an der Vendée Globe teil, der härtesten Hochseeregatta der Welt.

Trotzdem: Diese Reise werde auch für ihn eine Herausforderung. „Eine schöne und tolle zugleich.“ Es gehe hier nicht um Show, sagt Herrmann. „Wir sollten darauf hören, allen voran die Politiker, was die Wissenschaft sagt. Wir müssen endlich aufwachen. Es ehrt uns, dass wir mit der Fahrt unseren kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.“

Die Crew wird auf einer Route nördlich der Azoren segeln – die meiste Zeit unter Autopilot. Herrmann und Co-Skipper Casiraghi wechseln sich alle drei Stunden ab. Während der eine Schicht hat, schläft der andere.

Generalprobe vor der englischen Küste

Ob Greta Thunberg an Bord mitanpacken wird, sei ihre Entscheidung, sagt Herrmann. So könne sie sich etwa am PC mit dem Wetter und dem Wind auseinandersetzen. Mit dem steht und fällt alles. „Das ist die größte Unbekannte. Der Wind bestimmt die Stimmung. Er bestimmt alles.“ Und es gibt einen Plan B, falls das Wetter nicht mitspielt. „Wir könnten einen Zwischenstopp in Neufundland einlegen“, sagt der Profisegler. Oder umdrehen. Trotz großer Routine habe er enormen Respekt vor der See – und der verschwinde nie.

Viel Vorbereitungszeit bleibt den fünf Besatzungsmitgliedern nicht mehr. Vor der englischen Küste gibt es kurz vor dem Start Mitte August noch eine Probefahrt, an der auch Greta teilnehmen wird. Südengland ist dann auch der Ausgangspunkt für den Trip. Einen ersten Eindruck von der Yacht konnte sie sich bereits machen. „Wir haben ihr per Videoschalte das Schiff gezeigt“, sagt Herrmann.

Mit dieser Atlantiküberquerung unterstreicht die junge Schwedin, die mit ihrem Schulstreik zum bekanntesten Teenager der Welt avancierte, einmal mehr ihre Entschlossenheit. Es wird, davon gehen alle Beteiligten aus, wohl der Törn des Jahrzehnts für den Segelsport. Und abseits der sportlichen Herausforderung? „Ich hoffe, dass der Klimaschutz in der Öffentlichkeit künftig noch sehr viel mehr Raum einnimmt“, sagt Boris Herrmann. „Es muss das bestimmende Thema in den Köpfen der Menschen werden. Dazu möchten wir beitragen.“

Von Juliane Lange/RND

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