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Politik Belgien verbietet Schächten – Kritiker vermuten Antisemitismus
Nachrichten Politik Belgien verbietet Schächten – Kritiker vermuten Antisemitismus
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16:38 08.01.2019
In Belgien ist das religiöse Schlachten ab Jahresbeginn 2019 in einer Region komplett verboten. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Brüssel

Die belgische Regierung geht gegen das Schächten vor. Seit Januar 2019 dürfen Metzger in Flandern, einer belgischen Region mit mehr als 6,5 Millionen Einwohnern, Tiere nicht mehr auf die religiöse Art schlachten.

Das Verbot des Rituals, das vor allem von Juden und Muslimen ausgeführt wird, sorgt bereits eine Woche nach Inkrafttreten für scharfe Kritik. Was von der Regierung als Tierschutz-Maßnahme deklariert wird, sehen Vertreter der betroffenen Religionsgruppen als Vorstoß von rechts.

Tier muss vor tödlichem Schnitt betäubt werden

Der Kern der Debatte ist die Schächtung. Dabei wird dem Tier bei lebendigem Leib die Halsschlagader durchgetrennt, so dass es vollständig ausblutet. Die Praxis führt dazu, dass das Tier einen minutenlangen, schmerzvollen Tod erleidet. Dennoch ist sie im islamischen und jüdischen Glauben Pflicht, da sich nach religiöser Überzeugung erst durch das Ausbluten die Seele von dem Tier trennt.

Das Wichtige an dem Ritual: Das Tier muss gesund sein, bevor es ausblutet, was eine Betäubung ausschließt. Das neue Gesetz, das zunächst in Flandern umgesetzt wird, soll das nun ändern. Es verlangt, dass die Tiere vor dem Schnitt durch die Kehle betäubt werden, um ihnen eben diese Schmerzen zu ersparen.

Affront gegenüber europäischen Werten“

Und genau da sehen die ortseigenen Religionsvertreter den Knackpunkt, denn sie glauben nicht an den Tierschutz als Hintergrund für das neue Gesetz. Moshe Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC), sagte der „Jüdischen Allgemeinen“, er halte das Gesetz für skandalös: „Dieser Entschluss im Herzen Westeuropas schickt eine furchtbare Botschaft an jüdische Gemeinden auf dem Kontinent: dass Juden nicht erwünscht sind.“

Auch Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau, sieht dahin einen „Affront gegenüber den europäischen Werten“, wie „Bento“ zuerst berichtete.

Vorurteile gegen Juden und Muslime Grund für Verbot?

Dem Bericht zufolge äußerte sich auch Yaakov David Schmahl, seinerseits Rabbiner aus Antwerpen, kritisch. Es sei nicht klar, ob der Tierschutz oder Vorurteile gegen Juden und Muslime hinter dem Verbot steckten: Man kann die wahren Absichten der Menschen nicht sehen, so lange sie nicht sagen, was sie bewegt. Die meisten Antisemiten tun das nicht.“

In Belgien soll im September trotzdem das nächste Verbot folgen: Nach dem Ende des muslimischen Opferfestes soll Schächten auch in Wallonien verboten werden. Die Debatte um das religiöse Schlachten gibt es allerdings bereits seit Jahren. Auch in Deutschland gibt es ein entsprechendes Verbot, hier werden zur Sicherung der freien Religionsausübung allerdings Ausnahmen gewährt.

Von RND/lf

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