Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Politik Bleibt zu Hause!
Nachrichten Politik Bleibt zu Hause!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 15.03.2018
Vorbildlich! Verschnupft – aber wohlbehalten und rücksichtsvoll im Bett. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin


Ich rufe meine Mutter an. „Hallo Mami“, flöte ich. „Wie geht es dir?“„Nich gut“, näselt ihre Stimme aus dem Hörer. „Ick hab die Grippe!“„Ach herrje!“, seufze ich mit angemessenem Grabesklang. Eigentlich hat meine Mutter ja nur einen grippalen Infekt, aber das darf man nicht sagen, dann fühlt sie sich nicht ernst genommen. „Lächelst du?“, fragt sie misstrauisch. „Iiich? Niemals!“, sage ich lächelnd.

Wir sind ja alle etwas hypochondrisch in der Familie. Deswegen besuchen wir uns auch nicht gegenseitig, wenn wir krank sind. Sollen ja nicht alle auf einmal an der Pest verenden. Letztes Jahr hatten Paul und ich Norovirus. Es hat Monate gedauert, bis meine Mutter unsere Wohnung wieder betreten wollte. Genau deswegen stecken wir uns aber auch nicht alle beieinander an.

Anzeige

Ich hasse das ja, wenn Leute krank sind und sich nicht auskurieren. Und dann bazillieren sie in der U-Bahn die Haltestangen voll, verseuchen auf der Arbeit die Türklinken und rotzen in Bürokaffeebecher. Widerwärtig! Genau so entsteht die Grippewelle. Auch deswegen fahre ich so gerne Fahrrad. Da kann ich mich bei niemandem anstecken. Gut, ich erfriere wahrscheinlich, kriege Lungenkrebs von den Autoabgasen und werde früher oder später von einem Lkw überfahren. Aber zumindest sterbe ich nicht an der Grippe.

Liebe Leute, tut mir die Liebe und kuriert euch aus! Dann bricht das Bruttoinlandsprodukt eben ein! Na und? Hauptsache, ihr bleibt zu Hause und gebt niemandem die Hand!

Und wenn euch langweilig ist, ruft mal wieder eure Mütter an. Die freuen sich. Telefonieren ist auch nicht ansteckend.

Lea Streisand ist Bloggerin und Schriftstellerin in Berlin.

Von Lea Streisand

15.03.2018
15.03.2018