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Politik Bouffier gegen Schäfer-Gümbel – TV-Duell in Hessen ohne klaren Gewinner
Nachrichten Politik Bouffier gegen Schäfer-Gümbel – TV-Duell in Hessen ohne klaren Gewinner
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21:18 17.10.2018
Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) vor Beginn des TV-Duells. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Frankfurt

Hessens SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel attackiert – inhaltlich, mit Zwischenrufen und süffisanten Bemerkungen. Das TV-Duell mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist eine seiner letzten großen Chancen, Boden gutzumachen: Der Amtsinhaber liegt laut Umfragen vorn, muss aber wie sein Gegenspieler von der SPD mit Verlusten rechnen. Der CDU-Chef bleibt in dem sechzigminütigen Frage-und Antwort-Spiel im Hessischen Rundfunk seiner staatstragenden Linie treu, kontert die Attacken meist ruhig und sachlich. Persönliche Verletzungen gibt es zwischen den beiden Spitzenpolitiker nicht.

Schon bevor das rote Licht der Kameras am Mittwoch im Frankfurter Sendestudio angeht, ist beiden Bewerbern um das Amt des hessischen Regierungschefs die Anspannung deutlich anzumerken. Für ein gemeinsames Bild stehen sie erst etwas distanziert nebeneinander, dann gibt es doch noch den Extra-Händedruck für die Fotografen; das persönliche Verhältnis der beiden politischen Kontrahenten gilt nicht gerade als freundschaftlich.

So kritisiert Schäfer-Gümbel den Ministerpräsidenten

Nach einer kurzen Warmlaufphase prallen bei dem Thema, wie man mit der rechtspopulistischen AfD umgehen sollte, erstmals die Meinungen aufeinander. Schäfer-Gümbel, ohne Krawatte und in blau-grauem Anzug, kritisiert den 17 Jahre älteren Bouffier mehrmals direkt. Mit Sätzen wie: „Auch das kann ich Ihnen nicht ersparen“, läutet der 49-Jährige etwa seine verbalen Angriffe ein oder ruft während der Ausführungen Bouffiers einfach mal ein „falsch“ in den Raum.

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Der hessische CDU-Chef, der einen weinroten Schlips zum grauen Anzug trägt, lässt Kritik an seiner Politik aber nicht auf sich sitzen: „Sie wissen ganz genau, dass das nicht stimmt“ oder „Das erzählen Sie jedes Mal“ wirft er seinem Herausforderer vor. Auch Bouffier spricht seinen Herausforderer mehrmals persönlich an und wirft ihm etwa vor, bei seinen Vorschlägen die Finanzierung aus dem Blick zu verlieren.

Das sagten Bouffier und Schäfer-Gümbel zum Thema Diesel

Ein Beispiel aus den Themenblöcken: die Diesel-Debatte. Zu der Frage, wie Hardware-Nachrüstungen finanziert werden können, brachte Bouffier öffentliche Fördertöpfe ins Gespräch. „Wir haben auch die Möglichkeit, mit öffentlichen Mitteln zu helfen“, sagte Bouffier am Mittwoch im Wahlduell des Hessischen Rundfunks (hr) und bezog sich auf nicht abgerufene Mittel des Bundes zur Unterstützung der Elektromobilität.

Der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel sagte zu der Frage, ob kommunale Fahrzeuge mit der Hilfe von Steuergeld nachgerüstet werden sollten: „Es ist die einzige Chance, hier schnellstmöglich Fahrverbote zu verhindern, und deswegen ist es in der Tat eine Notmaßnahme.“ Die schwarz-grüne Landesregierung habe aber in der Diesel-Krise zu spät angefangen, zu handeln.

Bei diesem Thema werden Bouffier und Schäfer-Gümbel schmallippig

So wortreich sich beide Spitzenpolitiker bei den Topthemen im hessischen Landtagswahlkampf – Bildung, Wohnen und Dieselfahrverbot – duellieren, so schmallippig werden Bouffier und Schäfer-Gümbel bei Koalitionsaussagen oder den Auswirkungen der Landtagswahl auf die Machtverhältnisse im Bund. Keine greifbaren Antworten kommen etwa zu der Frage nach der Bedeutung des CDU-Ergebnisses für die Zukunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder zu einem möglichen rot-grün-roten Bündnis.

Es wird schließlich ein TV-Duell ohne einen klaren Sieger. Denn so sehr sie auch sticheln und kontern, am Ende wissen sowohl Bouffier als auch Schäfer-Gümbel, dass sie nach der Wahl womöglich aufeinander angewiesen werden sein könnten – als mögliche Koalitionspartner, wenn es nicht mehr für Schwarz-Grün reicht, wonach es derzeit in den Umfragen aussieht. Entsprechend halten sie sich dann doch mitunter zurück. Oder wie sagt es Bouffier am Ende so schön? „Wir sollten demütig sein und den Wähler entscheiden lassen.

Von RND/dpa/das

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