Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Politik CDU-Chefin witzelt über Intersexuelle – Abgeordneter fordert Entschuldigung
Nachrichten Politik CDU-Chefin witzelt über Intersexuelle – Abgeordneter fordert Entschuldigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 03.03.2019
Die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), sitzt vor dem Narrengericht. Das Narrengericht in Stockach zitiert jedes Jahr politische Prominenz vor seine Schranken. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Berlin

Im Karneval ist vieles erlaubt. Doch nicht alles, was lustig gemeint ist, kommt auch als Witz gut an. Das muss nun CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erfahren.

Bei einem Auftritt vor dem „Stockacher Narrengericht“ hat sie sich das Thema Gender vorgenommen. Die Sitzung aus dem Landkreis Konstanz im Süden Baden-Württembergs wurde bereits am Donnerstag vom SWR ausgestrahlt. Doch erst langsam folgt die Kritik in den Sozialen Netzwerken. Diskutiert wird vor allem folgende Passage:

Kramp-Karrenbauer sagte: „Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“

„Gibt ein Karnevalsniveau unter Doppelnamen-Witzen"

In der LGBT-Szene (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) und in der Opposition kommen diese Aussagen nicht gut an. Der Blogger Johannes Kram aus Berlin berichtete laut dem Portal „Queer“ zuerst über den Vorfall. Er bezeichnete Kramp-Karrenbauer in einem Facebook-Eintrag als „widerlich“. Zahlreiche Nutzer stimmten ihm zu. Die Aussage sei nicht akzeptabel und würde die Würde des Menschen mit Füßen treten.

Ein Kommentator frotzelt: „Guckt euch doch mal die Frauen von heute an: tragen Hosen, haben kurze Haare und wollen lieber Politik machen anstatt hinterm Herd zu stehen“. Wenn die CDU-Chefin stereotype Klischeebilder bevorzuge, solle sie bitte bei sich selbst anfangen.

Die Sendung „Extra 3“ teilte den Ausschnitt des Videos mit dem Kommentar: „Frau mit Doppelnamen beweist, dass es noch ein Karnevalsniveau unter Doppelnamen-Witzen gibt. Tädää! Tädää!“

Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann schrieb in einem ersten Tweet: „Hallo Frau Kramp-Karrenbauer, haben Sie es wirklich nötig, für einen billigen Kalauer sich auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen lustig zu machen? Wenn ja, dann wäre das wahnsinnig peinlich.“ In einem Folgetweet legte er nach und veröffentlichte einen offenen Brief, den er nach eigenen Angaben an die CDU-Chefin geschrieben hat. Ihre Äußerungen zeugten von Unkenntnis in der Sache, seien diskriminierend und verächtlich machend. „Eine Entschuldigung wäre angemessen“.

Auch aus den Reihen der Linken und FDP gab es Kritik. Klaus Lederer, linker Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa in Berlin kommentierte, der Auftritt sei ein „Trauerspiel“. Kramp-Karrenbauer fände es lustig, auf Stammtischniveau Menschen zu denunzieren, die nicht der geltenden Machonorm entsprächen.

Der Bundestagsabgeordnete der FDP, Jens Brandenburg, schrieb: „Wieder so ein Tag zum Fremdschämen. Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen? Sie muss ihre blanke Ahnungslosigkeit ja nicht ganz so zur Schau stellen.“

„Bemitleidenswerte Minderheiten“ im Gericht?

Kramp-Karrenbauer macht sich in ihrem fast halbstündigen Auftritt auch über die europäische Antidiskriminierungsrichtlinie und „Gender-Gesetzgebungen“ lustig. Angesichts der Besetzung des Narrengerichts fragte sie, ob darin „bemitleidenswerte Minderheiten“ vertreten wären. „Oder seht ihr irgendwelche Schwaben im Gericht? Ich sehe keine“, sagte sie.

Kramp-Karrenbauer spricht sich auf politischer Bühne gegen die Ehe für alle aus und lehnt den Vorstoß ab, dass gleichgeschlechtliche Paare ebenfalls Kinder adoptieren können. Dazu nutze sie in der Vergangenheit auch drastische Vergleiche. Die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare sah sie etwa als Weg dahin, auch die Heirat zwischen engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen zu ebnen.“ Von der Facebook-Gruppe „Enough is Enough“ wurde sie zur „Miss Homophobia 2018“ gewählt.

Von RND/ngo

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hat die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst der Länder begrüßt und angekündigt, das Ergebnis auf die Beamten zu übertragen. "Ich begrüße, dass es gelungen ist, eine Einigung zu finden", erklärte Heinold am Sonntag.

03.03.2019

Frank Ribery postete jüngst ein Foto von einem mit Gold überzogenem Steak. Bundestagspräsident Schäuble äußert sich nun auch zu der Debatte. Und appelliert an die Verantwortung von erfolgreichen Personen. Sie sollten bedenken, welche Wirkung ihr Verhalten habe.

03.03.2019

Seit Monaten gibt es in Berlin und Nordrhein-Westfalen Razzien gegen kriminelle Großfamilien. Die zuständigen Innenminister diskutieren beim Umgang mit der organisierten Kriminalität nun ein Vorgehen nach italienischem Vorbild.

03.03.2019