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Politik Daniel Günther kommt ins Grübeln
Nachrichten Politik Daniel Günther kommt ins Grübeln
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16:57 20.09.2018
Von Christian Hiersemenzel
Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU, l-r), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und die Unternehmerin Bärbel Wilke verfolgen eine Rede in einem chinesischen Unternehmen.  Quelle: Andre Klohn
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Hangzhou

Soeben haben hochrangige Vertreter der Christian-Albrechts-Universität (CAU), allen voran Präsident Prof. Lutz Kipp, in Hangzhou drei Abmachungen mit der Zhejiang-Universität geschlossen.

Erstens: Das Abkommen zwischen dem China-Zentrum, das sich an der CAU seit 2012 an alle acht Fakultäten mit dem Ziel wendet, Chinesisch zu lernen, und dem Institut für Chinastudien Zhejiang wird verlängert.

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Zweitens: Das Kieler China-Zentrum und das neue Deutschland-Zentrum Zhejiang vereinbaren einen Wissenschaftsaustausch zwischen deutschen und chinesischen Unis.

Drittens: Zwischen beiden Einrichtungen soll ein Austausch von Betriebswirten stattfinden.

Aber reicht das alles angesichts der rasanten Entwicklung aus?

„Wir haben auf unserer Reise gemerkt, dass die Menschen, die hierherkommen, eine Vorbildung hatten und sich zum Teil sogar selbst Chinesisch beigebracht haben, um Berührungspunkte zu bekommen“, sagt Günther. „Die Dimension und Wirtschaftskraft, die China als erfolgreiches Land speziell in Bereichen hat, wo wir Nachholbedarf haben, muss sich darin widerspiegeln, dass wir junge Menschen stärker vorbereiten.“ Wie die Unterstützung konkret aussehen könnte, will er kurz vor Ende seiner Reise nicht vorhersagen. „Aber in der Tat müssen wir uns darum kümmern.“

Angesichts der bestehenden Partnerschaft zwischen Schleswig-Holstein und der Provinz Zhejiang und ihrer ökonomischen Kraft müsse der Norden im Bildungsbereich kräftig Gas geben.

Zusammenarbeit nicht nur bei der Sprache

Längst geht es bei der Zusammenarbeit der Hochschulen nicht mehr nur um Spracherwerb. Die 25-jährige Lina Heine aus Plön, die an der CAU ihren Bachelor in Geowissenschaften gemacht und am Kieler Helmholtz-Institut für Meeresforschung Geomar geochemische Prozesse untersucht hat, berichtet hier in Hangzhou von einem Aha-Erlebnis. Dass an der Uni Zhejiang ein Ocean College eröffnet wird, zeige ihr, dass sie mit ihrem Fach gut aufgehoben sei. CAU-Präsident Kipp unterstützt die junge Frau in ihrem Ehrgeiz. „Ich finde es toll, dass neben Chinesisch auch das Fachliche eine Rolle spielt.“

Unterdessen hat sich Bettina Bunge, die neue Chefin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash), auf der Reise mit 50 Reiseveranstaltern, Reisebüros und Bloggern aus der Provinzregion zusammengesetzt. „Nicht einer von ihnen war bisher bei uns in Schleswig-Holstein“, stellt sie fest. Frankfurt am Main und München profitieren von direkten Flugverbindungen, Berlin von seinem Hauptstadtstatus.

Aber Schleswig-Holstein? Von jährlich 2,5 Millionen Übernachtungen der Chinesen fielen bisher nur 17.000 auf den Norden. Nun reise die chinesische Mittelschicht viel und gern und wolle Neues entdecken, sagt Bunge. „Und der Markt der Chinareisen nach Deutschland wächst zweistellig. Wir müssen uns mit Hamburg gemeinsam vermarkten und den Chinesen klar machen, dass unsere Ziele von der Hansestadt nur zwei Stunden entfernt sind.“

WLAN ist in China selbstverständlich

Manches gebe es zu bedenken. WLAN zum Beispiel sei für Chinesen selbstverständlich, auch ein Wasserkocher auf dem Zimmer - und das im Reich der Mitte allgegenwärtige bargeldlose Bezahlsystem Alipay gehöre zum Standard der Reisenden. Für Schleswig-Holsteins Tourismusbranche hält sie zwei Erkenntnisse für wichtig: Das alte Bild des rückständigen Chinesen sei endgültig von gestern. „Und die Chinesen haben viel Geld, das sie auf Reisen gerne ausgeben.“ Nach den Russen und Schweizern seien sie am spendabelsten. „Ich sehe hier für uns einen lukrativen Markt.“

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