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Politik Günther: "Wir müssen schneller werden"
Nachrichten Politik Günther: "Wir müssen schneller werden"
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17:31 18.09.2018
Von Christian Hiersemenzel
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) besucht in China eine Computermesse. Er sagt: „Uns allen ist heute bewusst geworden, dass wir in einem harten Wettbewerb stehen. In einigen Bereichen müssen wir schneller werden.“ Quelle: Andre Klohn/dpa
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Hangzhou/Chengdu

Alibaba: ein Internetgigant, der mit seinem Anspruch, demnächst zwei Milliarden Kunden zu bedienen, Amazon verdammt blass aussehen lässt. Dream Town: eine Art Silicon Valley à la chinoise. Inteast: ein sehr junges, hungriges Start-up im Bereich Big Data. Der chinesische Tiger setzt zum gewaltigen Sprung Richtung Weltmarktführerschaft an. Verschläft Deutschland gerade sämtliche Chancen? Wird Schleswig-Holstein abgehängt?

„Es ist nie zu spät“, sagt Günther. „Aber uns allen ist heute bewusst geworden, dass wir in einem harten Wettbewerb stehen. In einigen Bereichen müssen wir schneller werden.“ Schleswig-Holstein könne insbesondere davon lernen, wie es gelingt, jungen Unternehmern mit privatem Kapital größere Spielräume zu gewähren. Die Mentalität, auch mal scheitern zu dürfen, fehle Deutschland derzeit noch. Günther verweist zugleich auf Gründerdarlehen des Landes Schleswig-Holstein.

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Die Erfinder von Dream Town gaukeln den Besuchern vor, in einem gewachsenen Dorf zu sein: Die dunklen Holzfassaden sind künstlich gealtert, dahinter verbergen sich zum Beispiel der in Hangzhou allgegenwärtige Kaffeeanbieter „Starbucks“ und ein amerikanischer Hähnchenimbiss.

Schleswig-Holsteinische Nölerei geht Buchholz auf den Zeiger

Schleswig-Holstein tut gut daran zu analysieren, in welchen Nischenmärkten es überhaupt eine Rolle spielt“, sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz und mahnt zu Realismus. Der Norden werde weder mit dem Silicon Valley noch Alibaba konkurrieren können. „Aber wir haben eine Reihe Firmen im Software-Business, die bei Firmenlösungen ganz weit vorne sind.“

Im Übrigen sei Schleswig-Holstein von seinem Lebensgefühl und dem Umfeld spannend. „Wir müssen es bekannt machen und endlich nach vorne gucken. Die schleswig-holsteinische Nölerei geht mir auf den Zeiger.“

Gesichtserkennung? Für Chinesen kein Problem

George Orwell hätte sich mit dem, was in Hangzhou stolz präsentiert wird, in seinen schlimmsten Großer-Bruder-Befürchtungen bestätigt gefühlt. Gesichtserkennung via Kamera auf der Straße ist jedenfalls kein Problem, wie auf einer Internetmesse eindrucksvoll demonstriert wird. Zwei Chinesinnen finden das augenscheinlich hochamüsant und faszinierend. In der Delegation runzeln dagegen die meisten die Stirn.

Prof. Frank Schwartze, Dozent für Stadtentwicklung an der Technischen Hochschule Lübeck, spricht von Deutschlands Demokratie, seinen Sozialsystemen, der Bildung, dem verlässlichen Rechtssystem und der funktionierenden Verwaltung. „Ich glaube nicht an das Mantra, dass wir immer schneller werden müssen. Wir müssen widerstandsfähiger und intelligenter werden.“ Standards abzusenken, wie es das glitzernde Hangzhou als Erfolgsmodell anbietet, halte er jedenfalls für wenig zielführend. „Es wird darauf ankommen, sich aus der künstlichen Intelligenz das Beste herauszupiken.“