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Politik Der Osten in der Identitätskrise
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14:51 21.09.2019
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30 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR sind die ostdeutschen Länder kaum wiederzuerkennen. Die Milliardeninvestitionen haben sichtbare Spuren hinterlassen, Städte wie Jena, Dresden, Leipzig, Potsdam und Rostock boomen. Das ist die eine Wahrheit über den Osten. Und dann gibt es die andere, die genauso wahr ist, aber manchmal versteckt wird: Es gibt Landstriche und Menschen, die tief verletzt sind, die immer noch unter dem Strukturbruch, der Massenarbeitslosigkeit und Massenabwanderung leiden.

In der Lausitz und in Vorpommern fehlt eine ganze Generation. Das hat Folgen in allen Lebensbereichen. Im aktuellen Bericht der Bundesregierung über den Stand der Einheit sind diese beiden Wahrheiten gleichermaßen zu finden. Doch herausgestellt wird die schönere davon. Die Arbeitslosenzahlen im Osten sind überproportional zurückgegangen – das ist richtig, hat aber auch mit der Abwanderung zu tun. Im Osten sind Wirtschaftsleistung und Löhne gestiegen – aber sie erreichen das Westniveau nicht.

Eine „verletzte Gesellschaft“ mit schlecht verheilten Brüchen

Zugleich bezeichnen sich 57 Prozent der Ostdeutschen in einer Umfrage der Bundesregierung als „Bürger zweiter Klasse“. Fast zwei Drittel halten die Vereinigung nicht für gelungen – sie leiden darunter, dass es kein Zusammenwachsen gab, sondern eine Übernahme.

Der Rostocker Soziologe Steffen Mau sieht eine verletzte Gesellschaft mit schief zusammengewachsenen Brüchen. Der Berliner Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk sagt: Die ersten Erfahrungen der Ostdeutschen mit dem neuen Staat waren negative, sie fanden in Arbeits- und Sozialämtern statt. Darauf lasse sich keine Identität mit dem neuen System gründen.

Der Osten hat keine Wirtschafts-, sondern eine Identitätskrise. Die Gründe dafür wurzeln tief. Es ist allerhöchste Zeit, darüber zu reden.

Von Jan Sternberg/RND

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