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Politik „Der Typ ist ein Dumpfschwätzer“ – Entrüstung nach Kretzschmar-Video
Nachrichten Politik „Der Typ ist ein Dumpfschwätzer“ – Entrüstung nach Kretzschmar-Video
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17:02 13.01.2019
Stefan Kretzschmar: „Wenn wir in unserem Land über Meinungsfreiheit reden, dann haben wir die Meinungsfreiheit in dem Punkt, dass wir nicht in den Knast kommen, wenn wir uns kritisch äußern. Aber wir haben keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne.“ Quelle: Oliver Zimmermann/imago
Berlin

 Die jüngsten Äußerungen des ehemaligen Profi-Handballers Stefan Kretzschmar haben kontroverse Reaktionen ausgelöst. Der 45-Jährige, der in Leipzig geboren wurde, mit Magdeburg die Champions League gewann und heute als TV-Experte arbeitet, hatte in einem Video gesagt: „Wenn wir in unserem Land über Meinungsfreiheit reden, dann haben wir die Meinungsfreiheit in dem Punkt, dass wir nicht in den Knast kommen, wenn wir uns kritisch äußern. Aber wir haben keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne. Sobald wir eine gesellschaftskritische Meinung äußern, haben wir von unserem Arbeitgeber mit Repressalien zu rechnen, oder wir haben mit unseren Werbeverträgen Probleme, dass diese gekündigt werden, weil es nicht ins Konzept passt.“ Es sei denn, man äußere politische Mainstream-Meinungen wie „Wir sind bunt“ und „Refugees welcome“, so Kretzschmar. Das sei unproblematisch.

Lesen Sie hier den Kommentar: Stefan Kretzschmar sieht „keine Meinungsfreiheit“ – und liegt falsch

Der SPD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt und innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Kretzschmar hat in einem Punkt durchaus recht: Wenn sich jemand heute pointiert äußert, dann gibt es ein viel massiveres Echo als früher.“ Er fügte allerdings hinzu, dies gelte nicht allein für flüchtlingskritische Äußerungen, sondern mindestens ebenso sehr für Meinungsäußerungen zugunsten von Flüchtlingen – bis hin zu Morddrohungen. „Es gibt Polarisierungen und Spaltungen in beide Richtungen“, betonte Lischka. „Kretzschmar hätte gut daran getan, wenn er das nicht ausgeblendet hätte.“ Weil er es aber ausgeblendet habe, sei seine Aussage in dieser Form falsch.

Wulft Gallert nennt Kretzschmars Äußerungen „eine Art Modeposition“

Sachsen-Anhalts Landtagsvizepräsident Wulf Gallert (Linke) zeigte sich überrascht – zumal Kretzschmar seines Wissens nach früher selbst massive rechte Gewalt erfahren habe. Was er jetzt sage, sei „so eine Art Modeposition geworden“, entspreche jedoch nicht den Tatsachen. Stattdessen gelte: „Willkommen in der Demokratie. Wenn man eine kontroverse Position bezieht, muss man die Kontroverse aushalten.“ Das habe er als Linker, der nicht mit dem Mainstream übereinstimmte, seit 1989 sehr oft erfahren. „Ich musste mich wehren“, so Gallert.

Der Bürgerrechtler und Theologe Friedrich Schorlemmer rief Kretzschmar zu: „Handballer, bleib bei deinen Leisten“, und riet ihm, sich im Sinne des Philosophen Immanuel Kant seines Verstandes zu bedienen. Dazu habe er „in der Demokratie alle Möglichkeiten. Denn Demokratie ist der Kampf um Zustimmung. Man kann aber auch nur Ressentiments weiter schwatzen.“ Schorlemmer fuhr fort: „In dieser Gesellschaft hast du so viel Freiheit, wie du sie dir nimmst.“

Menschenrechtsbeauftragter Löning nennt Kretzschmar „Dumpfschwätzer“

Und den Mainstream, von dem Kretzschmar spreche, den gebe es gar nicht mehr. Vielmehr grassiere weltweit „die Pest des Nationalismus“. Schorlemmer mahnte: „Dagegen brauchen wir die entsprechenden Injektionen, um nicht angesteckt zu werden.“ Der ehemalige Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), der in Berlin zu Hause ist, reagierte unterdessen scharf. Er schrieb bei Twitter: „Werden jetzt meine Werbeverträge gekündigt, weil ich sage, dass der Typ ein Dumpfschwätzer ist?“

Lesen Sie hier: So teilen Twitter-Nutzer gegen Kretzschmar aus

Vielfach herrscht insofern Verwunderung, als Kretzschmar früher dem linken Spektrum zugeordnet wurde und er sich öffentlich als eher unangepasst präsentierte. Freilich weisen politische Beobachter daraufhin, dass seine Meinung zur parlamentarischen Demokratie in Ostdeutschland weit verbreitet sei. Eine ähnliche Kontroverse wie jetzt um Kretzschmar gab es vor rund einem Jahr um den Schriftsteller Uwe Tellkamp aus Dresden. Er hatte vergleichbare Thesen aufgestellt.

Hier sehen Sie das umstrittene Video von Stefan Kretzschmar:

Von Markus Decker/RND

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