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Politik Fridays for Future und Europapartei: Das sind die Gründe für das gewaltige Ergebnis der Grünen
Nachrichten Politik Fridays for Future und Europapartei: Das sind die Gründe für das gewaltige Ergebnis der Grünen
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00:23 27.05.2019
Annalena Baerbock, Sven Giegold, Ska Keller und Robert Habeck beim Wahlkampffinale. Quelle: Gregor Fischer/dpa
Berlin

Für die Grünen schien dieser Wahlkampf mal wieder ein Selbstläufer zu sein. Das gilt für Europa wie für Bremen gleichermaßen. Die Frage war nicht, ob sie gewinnen würden – sondern nur: wie hoch.

Die Grünen verstehen sich mehr noch als andere Parteien als Europapartei. Ihr globaler politischer Ansatz und ihre akademische Orientierung sprengen Grenzen – zumal auf dem alten Kontinent. Und die Verschärfung der Klimakrise spielt ihnen politisch immer stärker in die Hände. Das zeigte sich am Freitag auf den Straßen ebenso wie im Netz.

Die einen verlieren, die anderen nicht

Auf den Straßen verschafften sich die Fridays for Future-Demonstranten Gehör, im Netz die Youtuber um Rezo. Wenngleich die Grünen auch nicht mehr die Jüngsten sind – sie gelten mehr und mehr als Partei von morgen, während Union und SPD mehr und mehr als Parteien von gestern gelten. Hinzu kommt, dass die grünen Spitzenkandidaten Ska Keller und Sven Giegold zwar nicht strahlten, aber doch solide wirkten.

In Bremen geschah derweil, was überall geschieht: Obwohl SPD und Grüne dort koalieren und die Wähler unzufrieden sind, zahlen die Sozialdemokraten den Preis dafür – die Grünen nicht. Die einen verlieren, die anderen nicht. Manchen mag das ungerecht erscheinen. Doch es ist so.

Jamaika als Zeichen der Verbürgerlichung

Spannend wird, wie es nun weiter geht. Die Bildung einer neuen EU-Kommission in Brüssel wird ein schwieriges Geschäft, bei dem die Grünen mutmaßlich keine Hauptrolle spielen werden. In Bremen ist das anders. In Bremen sind die Grünen der Akteur, ohne den nichts geht. Zwar wird eine Wiederholung von Rot-Grün ausbleiben. Dafür können die Grünen nun aber wählen – zwischen einem Bündnis mit CDU und FDP namens „Jamaika“ oder Rot-Rot-Grün.

Für Jamaika spricht, dass die Bremer SPD nach 73 Jahren abgewirtschaftet hat und Bürgermeister Carsten Sieling alles andere als beliebt ist. Für Rot-Rot-Grün spricht, dass die Grünen mit der Bremer FDP nichts anfangen können. Auch weiß niemand, ob der CDU-Spitzenkandidat und Polit-Newcomer Carsten Meyer-Heder tatsächlich nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer sein kann, sondern auch ein erfolgreicher Polit-Manager.

So oder so wird der Koalitionsentscheidung in Bremen bundespolitische Bedeutung beigemessen. Würden die Grünen Jamaika machen, würde dies als Beleg für die Verbürgerlichung der Partei wahrgenommen.

Jamaika in linker Stadt nicht vorstellbar

Würden sie sich für Rot-Rot-Grün entscheiden, würde dies als Beleg dafür empfunden, dass in Sachen Rot-Rot-Grün auch in Berlin noch etwas ginge – obwohl doch die Partei- und Fraktionsführung längst auf ein Bündnis mit der Union zusteuert, weshalb sie von einer angeblich bundespolitischen Bedeutung des Urnengangs an der Weser auch nichts wissen möchte. Die Bremer Spitzenkandidatin Maike Schäfer hält sich alles offen.

Prominente Grüne vom linken Flügel sagten zuletzt, dass sie für Rot-Rot-Grün seien und sich Jamaika in einer „linken Stadt“ wie Bremen gar nicht vorstellen könnten, zumal wenn etwas anderes machbar sei. Öffentlich äußern wollten sie sich aber nicht. Das zeigt ganz gut, wie die Grünen gerade ticken.

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Von Markus Decker/RND

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