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Politik Land kann Ölförderung kaum stoppen
Nachrichten Politik Land kann Ölförderung kaum stoppen
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00:17 10.08.2013
Von Ulf Billmayer-Christen
Umweltminister Habeck lehnt die Ölförderung ab, muss sich aber an Recht und Gesetz halten. Quelle: eis
Kiel

Habeck ließ vor dem Ausschuss keinen Zweifel daran, dass er einen Wiedereinstieg in die Ölförderung für falsch hält. „Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.“ Der Grüne stellte aber ebenso klar, dass ihm in den laufenden Genehmigungsverfahren für die Ölförderung die Hände gebunden sind. „Ich habe in den Verfahren keine Möglichkeit, politisch etwas zu verhindern.“

 Juristisch ist die Ölförderung ohnehin fast ein Selbstgänger, weil das Bundesbergrecht als konzernfreundlich gilt. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, das per Staatsvertrag auch für Vorhaben in Schleswig-Holstein zuständig ist, hat inzwischen sieben Projekte genehmigt, darunter vier im Kieler Umland. Dabei handelt es sich in allen Fällen um alte Ölfelder. Ihre Ausbeutung war vor Jahren eingestellt worden war, dürfte sich angesichts des explodierten Ölpreises aber wieder rechnen.

 Am „weitesten fortgeschritten“ sind laut Habeck die Pläne für das Feld „Schwedeneck-See“. Dort sollen noch mindestens 400000 Tonnen Öl schlummern. Die Felder „Preetz“ (140000 Tonnen) und „Plön-Ost“ (120000 Tonnen) sind deutlich kleiner. Hinter allen drei Projekten steht RWE Dea (Hamburg). Konzernsprecher Uwe-Stephan Lagies bekräftigte gestern in einer Fracking-Anhörung im Landtags-Wirtschaftsausschuss, dass die Altfelder rund um Kiel mit traditionellen Bohrungen erschlossen werden sollen. „Ein Fracking ist nicht notwendig.“

 Der kanadische Konzern PRD Energy (Calgary), der den Zuschlag für das Altfeld „Prasdorf“ erhalten hat, gab im Ausschuss dasselbe Versprechen ab. „PRD ist in der Lage, durch horizontale Bohrungen Lagerstätten neu zu erschließen“, sagte ein Konzernsprecher. Ein Fracking, also die Stimulation der Ölquelle durch das Einpressen von Chemie-Cocktails, sei „derzeit“ nicht geplant. Wie RWE warnte auch PRD davor, Fracking zu verteufeln. Die neuesten Flüssigkeiten, die in den Boden gepresst würden, seien sogar „trinkbar“.

 Beide Konzerne haben weitere Claims im Visier. RWE Dea will das kleine Altfeld „Warnau“ ausbeuten, PRD die Neufelder „Bramstedt“, „Elmshorn“ sowie „Gettorf“ mitsamt Teilen der Stadt Kiel erschließen. Für alle diese Vorhaben steht die Genehmigung durch das niedersächsische Landesamt noch aus.

 Mit dem Segen aus Hannover haben sich die Konzerne allerdings nur ihre Claims gesichert. „Sie haben noch kein Recht, ein Loch zu buddeln, Leitungen zu verlegen oder Sprengungen zu machen“, sagte Habeck. Sein Ministerium geht davon aus, dass RWE und PRD in den nächsten ein bis zwei Jahren Messdaten aus den Altfeldern auswerten und dann gegebenenfalls Probebohrungen beantragen. Sind sie erfolgreich, können nach einer weiteren Genehmigung die Ölpumpen anlaufen.

 Vorreiter dürfte Schwedeneck sein. Dort könnte RWE Dea frühestens ab 2015 bohren. Grüne, SPD, SSW und Piraten meldeten mehr oder minder große Bedenken gegen den Neueinstieg in die Ölförderung an, ebenso die Kirche. CDU und Wirtschaft setzen auf das schwarze Öl, zumal das Land vom Marktwert des geförderten Öls derzeit 21 Prozent kassiert. Insgesamt winken dem Land so mehr als 100 Millionen Euro. Die Piraten wollen genau hier ansetzen und im Landtag beantragen, den Förderzins deutlich zu erhöhen, damit sich der geplante Wiedereinsteig in die Ölförderung für die Konzerne nicht mehr rechnet.

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Der Energiekonzern RWE DEA will in Schleswig-Holstein auf früheren Ölfeldern die Förderung wieder aufnehmen. Erste Bohrungen könnten nicht vor 2015 beginnen, Anträge müssten dafür noch gestellt und behördlich bewilligt werden, bestätigte ein Konzernsprecher am Montag in Hamburg einen Bericht der "Kieler Nachrichten".

Deutsche Presse-Agentur dpa 06.08.2013

Wirtschaftlich ist die Sache glasklar: Die Reaktivierung alter Ölfelder ist für RWE Dea ein Riesengeschäft. Wenn es tatsächlich gelingt, das erwartete Gesamtpotenzial von bis zu einer Million Tonnen Erdöl zu fördern, dann sprudeln dem Unternehmen im Laufe der nächsten Jahre Einnahmen in Höhe von mehr als 700 Millionen Dollar in die Kasse.

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