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Politik Verschobene Geburt, Hamsterkäufe – der Brexit und seine skurrilsten Folgen
Nachrichten Politik Verschobene Geburt, Hamsterkäufe – der Brexit und seine skurrilsten Folgen
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19:20 15.01.2019
Neben politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen beeinflusst der Brexit auch das ganz alltägliche Leben von einfachen Bürgern und von Parlamentariern. Quelle: Victoria Jones/PA Wire/dpa
London/Berlin

Das britische Parlament stimmt an diesem Dienstagabend über das von Premierministerin Theresa May mit Brüssel ausgehandelte Brexit-Abkommen ab. Harte politische Verhandlungen gingen dieser Entscheidung voraus – warnende Appelle von EU-Politikern, verzweifelte Rettungsversuche Mays, schlimmste Befürchtungen vonseiten der Wirtschaft. Doch neben politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen beeinflusst der Brexit auch das ganz alltägliche Leben von einfachen Bürgern wie von Parlamentariern. Eine Zusammenstellung besonders skurriler Folgen des Brexits:

Abgeordnete verschiebt Geburt wegen Brexit-Abstimmung

Die britische Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq hat wegen der Abstimmung über das Brexit-Abkommen die Geburt ihres Kindes verschoben. Eigentlich sollte die EU-freundliche Politikerin am Dienstag ihren Sohn per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Nach britischen Medienberichten stimmten die Mediziner aber einer Verschiebung des Eingriffes um zwei Tage auf kommenden Donnerstag zu.

Die britische Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq Quelle: Lauren Hurley/PA Wire

Sie wolle die Chance nutzen und „für eine stärkere Beziehung zwischen Großbritannien und Europa“ kämpfen, zitierte der „Evening Standard“ die 36-Jährige, die ihren Wahlkreis im Nordwesten Londons hat. Unklar war zunächst, auf welche Weise sie abstimmen sollte: im Rollstuhl im Parlament oder vom Krankenhaus aus. Die Abgeordnete, die schon eine Tochter hat, setzt sich für ein zweites Brexit-Referendum ein.

Lesen Sie auch: So läuft der Tag der Brexit-Entscheidung in London

Millionen Briten drohen neue Führerscheintests

Mehr als eine Million Briten müssen einem Medienbericht zufolge möglicherweise eine neue Fahrprüfung durchlaufen. Wie das britische Boulevardblatt „The Sun“ berichtet, wurde in Europa lebenden britischen Staatsbürgern vom britischen Verkehrsministerium mitgeteilt, sie sollten ihren Führerschein unverzüglich austauschen. Im Fall eines harten Brexits ohne Abkommen könnten sie sonst Gefahr laufen, in der EU ihre Fahrerlaubnis zu verlieren.

Briten, die eine Reise ins Ausland planen, wurde demnach auch angeraten, sich einen internationalen Führerschein anzuschaffen. Das Verkehrsministerium solle Leitlinien zur Führerscheinregelung veröffentlicht haben. Darin würden Briten davor gewarnt werden, dass ihre derzeitigen Führerscheine in Europa im Falle eines No Deal-Szenarios nutzlos würden.

Wie hart wird der Brexit die Deutschen treffen? Sven Giegold, Grünen-Politiker im Europaparlament, antwortet im Video:

3600 Briten beantragen in Berlin Aufenthalt wegen Brexit

Tausende in Berlin lebende Briten haben bereits einen Aufenthaltstitel beantragt. Seit der Freischaltung der Online-Registrierung bei der Ausländerbehörde am 3. Januar meldeten sich 3600 Personen an, wie die Senatsverwaltung für Inneres am Dienstag mitteilte. Insgesamt leben demnach 18.000 Briten in Berlin, die potenziell vom Brexit betroffen sind.

Wenn dieser Ende März kommen sollte, benötigen britische Staatsangehörige künftig für ihren Aufenthalt in Deutschland einen Aufenthaltstitel oder einen Nachweis über ihr Aufenthaltsrecht.

Lebensmittel hamstern für den No-Deal-Fall

Sogenannte „Hamsterlisten“ im Netz raten Briten zum Kauf von Lebensmittelvorräten. Quelle: Michael Weber

Nach britischen Medienberichten kursieren im Netz „Hamsterlisten“ mit Ratschlägen, welche Lebensmittel und andere wichtige Dinge im Falle eines harten Brexits gehortet werden sollten. 

Ein ehemaliger Berater des britischen Umweltministers Michael Gove soll dem Magazin „The Times zufolge davor gewarnt haben, dass die Verfügbarkeit einiger Lebensmittel durch Blockaden in Häfen beeinträchtigt sein könne. Die Rede ist dabei besonders von nicht-saisonalen Lebensmitteln wie Salat, Erdbeeren und Himbeeren, die das ganze Jahr über erhältlich sind, deren Verfügbarkeit allerdings vom Import-Geschäft abhängt.

Laut einem Bericht der Boulevardzeitung „The Sun“ sollen aus Artikel wie Unterwäsche, Kondome, Spirituosen und Tabak auf den Online-Listen auftauchen. Die sogenannten „Hamsterlisten“ raten dazu, dass die Menschen für den Fall eines harten Brexits schon jetzt ihre Schränke mit Grundnahrungsmitteln, Körperpflegeartikeln und Medikamenten füllen.

Von RND/jw/dpa

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