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Politik Ethikrat fordert Masern-Impfpflicht auch für Erwachsene
Nachrichten Politik Ethikrat fordert Masern-Impfpflicht auch für Erwachsene
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18:15 25.04.2019
Ein Impfbuch mit markierten Feldern für Polio und Masern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will eine Impfpflicht für Masern einführen. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Berlin

Masern-Impfpflicht für Kinder? Löst das Problem nicht, findet der Deutsche Ethikrat. „Fast die Hälfte aller an Masern Erkrankten in Deutschland sind Erwachsene, mit in den letzten Jahren ansteigender Tendenz“, hat er nun erklärt und weist gleich auf die Konsequenz hin. „Maßnahmen mit dem Ziel, die Masernimpfquote zu erhöhen, müssen als Adressaten sowohl Kinder als auch Erwachsene einbeziehen.“

Die Gemeinschaft könne nur geschützt werden, wenn 95 Prozent der Bevölkerung die beiden Masernimpfungen hätten. Diese Quote „kann nur erreicht werden, wenn auch bei Erwachsenen die Impfquoten erhöht werden“, heißt es in der Stellungnahme des Ethikrats.

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Rat nimmt Ärzte und Lehrer in die Pflicht

Besonders wendet sich der Rat an die Berufsgruppen im Gesundheits- und dem pädagogischen Bereich. Ärzte, Krankenpfleger, Lehrer oder andere Berufe mit vielen Personenkontakten stellten ein erhöhtes Infektionsrisiko für andere dar. Sie stünden damit „in einer besonderen Verantwortung“.

Der Ethikrat weist außerdem darauf hin, dass das Hauptproblem bei Kindern nicht die Erst-, sondern die Zweitimpfung sei. Zum Zeitpunkt der Einschulung sein 97,1 Prozent der Kinder erstmals geimpft worden. „Das zeigt eine große Akzeptanz der Masernimpfung.“ Unzureichend sei dagegen mit 92,9 Prozent die Quote bei den Zweitimpfungen.

Als denkbare Sanktionen zur Durchsetzung einer Impfpflicht listet der Ethikrat Bußgelder, Ausschluss aus Kindertagesstätten oder Schulen, Einschränkungen der ärztlichen Berufsfreiheit oder sogar körperliche Zwangseingriffe auf. Er legt sich hierbei aber nicht fest.

Erst die Prüfung, dann das Gesetz

Eine ethische Bewertung der Impfpflicht sei erst möglich, wenn ihre genaue Ausgestaltung feststehe. Erst dann könne auch geprüft werden, „wie das Ziel eines hinreichenden Impfschutzes mit Maßnahmen von möglichst geringer Eingriffstiefe erreicht werden kann“. Vor einer Gesetzesänderung sei dies zwingend erforderlich.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will im Mai einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Pflichtimpfung gegen Masern vorlegen.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt für Kinder derzeit unter anderem einen Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie einen Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b sowie Hepatitis B. Ein einzelner Impfstoff gegen Masern ist in Deutschland nicht verfügbar und müsste importiert werden.

Der Ethikrat ist ein unabhängiges Sachverständigengremium, das Bundesregierung und Bundestag berät. Zu seinen Mitgliedern gehören unter anderem Mediziner, Theologen, Soziologen, Biologen, Philosophen, Immunologen, Juristen, Psychologen und Biotechnologie-Experten

Von vat/RND