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Politik Ferien-Zoff: Wende reagiert
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00:17 15.05.2013
Waltraut Wende weist die Kritik zurück. Quelle: eis
Kiel

Die aufgeregte Diskussion um meine Worte zur Arbeits- und Ferienzeit der Lehrerinnen und Lehrer verwundert mich nicht wenig. Hintergrund ist, dass ich mich im Rahmen einer Berliner Podiumsdiskussion – bei der es um „Nachhaltige Schule“ ging – am Rande der Diskussion auch zur Differenz von unterrichtsfreier Zeit und tatsächlicher Ferienzeit geäußert habe. Auf die Frage einer Teilnehmerin, ob es nicht sinnvoll sei, die „viel zu lange Ferienzeit“ der Lehrer und Lehrerinnen zu kürzen, habe ich die tatsächliche Schul-Wirklichkeit beschrieben:

Lehrer und Lehrerinnen haben (anders als Schüler und Schülerinnen) keine zwölf Wochen Ferien, sondern lediglich zwölf Wochen unterrichtsfreie Zeit.

Lehrer und Lehrerinnen haben (wie alle Arbeitnehmer) das Anrecht auf angemessenen Erholungsurlaub, und sechs Wochen sind angemessen.

– die nach Abzug der Urlaubszeit verbleibenden sechs Wochen unterrichtsfreie Zeit nutzen Lehrer und Lehrerinnen, für die Vorbereitung zukünftiger Unterrichtsprojekte, für Fortbildung, für die Korrektur von Klassenarbeiten etc.

Darüber hinaus steht für mich fest, dass es sich auf das Klima an unseren Schulen positiv auswirkt, wenn Lehrer und Lehrerinnen möglichst viel Arbeitszeit im Schulgebäude oder auf dem Schulgelände verbringen, denn Schule ist ein Lebensraum an dem mehr stattfindet als hoffentlich guter Unterricht. Dazu braucht es nicht nur angemessene Lehrerinnen- und Lehrerzimmer, sondern auch gut ausgestattete individuelle Arbeitsplätze sowie Rückzugsmöglichkeiten für Arbeitsgespräche. Einige unserer Schulgebäude sind hier bereits vorbildlich, denn auch die Schulträger haben erkannt, dass eine „gute“ Schule mehr benötigt als mit Stühlen, Bänken und einer Tafel bestückte Klassenzimmer.

Beratungsgespräche, die Lehrkräfte mit Schülern, Schülerinnen und Eltern führen, Fachgespräche mit Kollegen, Klassen- und Schulkonferenzen, gemeinsame Fortbildungsprojekte, Schulentwicklungstage, die Vor- und Nachbereitung von Unterrichtseinheiten – all dies gehört zum Arbeitsalltag einer Lehrkraft, die eben nicht nur maximal 28 Unterrichtsstunden pro Woche reinen Unterricht erteilt, sondern tagtäglich weitaus mehr zu leisten hat.

Dass eine sachliche Feststellung – von der ich dachte, sie sei eine Selbstverständlichkeit – als eine zur tatsächlichen Schulwirklichkeit im Widerspruch stehende Forderung interpretiert wurde und dann ein Proteststurm der Lehrerinnen- und Lehrerverbände folgte, wundert mich schon sehr und gibt mir zu denken. Ich frage mich nun, wollen wir alle zusammen „gute Schule“ machen – oder aber geht es um etwas ganz anderes?

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