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20:05 10.11.2015
Von Uta Wilke
Foto: Helmut Schmidt stellte am 11.08.1978 sein neues kleines Segelboot vor, das ihm der kanadische Ministerpräsident Pierre Trudeau geschenkt hatte.
Helmut Schmidt stellte am 11.08.1978 sein neues kleines Segelboot vor, das ihm der kanadische Ministerpräsident Pierre Trudeau geschenkt hatte. Quelle: Werner Baum/dpa (Archiv)
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Kiel

Schmidt verhalf dem einen Quadratkilometer „großen“ Gewässer und dem Dorf Langwedel zu nationaler Berühmtheit. Spätestens als er 1974 Bundeskanzler wurde, fiel die große Politik in den beschaulichen Landstrich im Naturpark Westensee ein. Wohl kaum ein Bundesbürger wusste so genau, wo er liegt. Aber der Brahmsee brachte es immer wieder in die Nachrichten. „Koalitionskampf am Brahmsee“ oder „Bankrott-Gipfel am Brahmsee“, so lauteten die Schlagzeilen.

Der Korrespondent Jürgen Leinemann beschrieb 1977 im „Spiegel“, wie sich Langwedel durch den Kanzler veränderte, wie Touristen mit Fernrohren vor dem Bauch und Journalisten mit Notizblöcken im Jackett an den Gartenzäunen lungerten und durch die Dorfstraße stolperten. Die Bewohner hätten sich als eine Art Schutzgemeinschaft für Helmut Schmidt verstanden. Alt-Eingesessene, Zugezogene und sogar Camper seien mit ihm selbst „ein bisschen Kanzler“ geworden. „Sie alle tragen gemeinsam Verantwortung für das Wohl und Wehe von Helmut“, schrieb Leinemann.

Hier sehen Sie Bilder aus dem Leben Helmut Schmidts.

Helmut und Loki pflegten an ihrem 1958 erworbenen Urlaubssitz gern den Kontakt zur „normalen“ Bevölkerung und empfingen nicht nur Staatsmänner, Leute von Rang und Namen. So zeigten sie sich richtig begeistert, als einmal zu Ostern eine Delegation der Kieler Kleingärtner mit einem fünf Meter großen Ginkgo-Baum anrückte. Das sollte ein „kleines Dankeschön für die großen Verdienste um unser Land“ sein. Helmut Schmidt stellte fest: „Wir sind ja selbst halbe Schleswig-Holsteiner.“ Da war er schon lange Ehrenbürger, der erste in der Geschichte des Bundeslandes.

Doch bevor es 1998 so weit war, gab es einige Irritationen. Die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis hatte zur Feierstunde ins Herrenhaus Schierensee eingeladen, ohne das Parlament zu konsultieren. Der Fehler wurde jedoch schnell geheilt. Bei der Ehrung plauderte Schmidt aus dem Nähkästchen: Dass er „fast ein Kieler geworden wäre“, nachdem ihn Anfang der 50er Jahre der Ruf des legendären Nachkriegs-Oberbürgermeisters Andreas Gayk ereilt hatte. Schade, dass es nicht so gekommen sei, ließ Simonis ihren Genossen damals wissen. „Wenn Sie ja gesagt hätten, hätten wir die Hamburger bestimmt überflügelt.“

Trotz der Absage an Gayk, auch mit Kiel hatte Schmidt immer wieder zu tun. 2002 wurde er nach einem Herzinfarkt in der Uniklinik operiert. Sofort nachdem er zu Kräften gekommen war, nahm er die Zeitungslektüre wieder auf. Beim Studium der Kieler Nachrichten tippte er auf ein Foto des damaligen Oberbürgermeisters und ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Gansel: „Das ist ein Freund von mir.“ Seit Mitte der 80er Jahre habe sich aus einem „kritischen ein freundschaftliches Verhältnis“ zwischen beiden entwickelt, sagte Gansel gestern. Immer wieder seien sie zusammengekommen, bei ihm zu Hause in Meimersdorf, beim Schleswig-Holstein Musik Festival – und natürlich am Brahmsee.

Helmut Schmidt und das SHMF

Große Meriten hatte Schmidt auch als Fürsprecher des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Die Idee zu dem Festival soll 1985 während eines gemeinsamen Urlaubs mit Justus Frantz in Gran Canaria (Spanien) entstanden sein. Schmidt besuchte nicht nur Festivalkonzerte, er gehörte auch dem Kuratorium an. Das verließ er aber 1995 aus Enttäuschung über den Umgang des Vorstands mit Frantz.

Helmut Schmidt und seine Frau Loki genießen ihren Urlaub am Brahmsee. Quelle: Wulf Pfeiffer/dpa (Archiv)

Nach einem Herzinfarkt 2002 in seinem Ferienhaus am Brahmsee wurde Schmidt im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel operiert und er erhielt mehrere Bypässe.

Ihrem Ferienhaus blieben Loki immer treu. „Wir sind ein Teil der Dorfbevölkerung. Hier kommt keiner und will ein Autogramm. Hier werden wir nicht gestört, hier haben wir unsere Ruhe — hier leben Norddeutsche, die an ihrer Heimat hängen“, sagte Schmidt einmal. 1958 hatten die Schmidts das rund 3000 Quadratmeter Ufergrundstück gekauft - für 7000 Mark (knapp 3500 Euro). Die Schmidts nannten es „unser kleines Paradies“. Dabei gab es nur anfangs nur eine spartanische Holzhütte, die aber im Laufe der Jahrzehnte ausgebaut wurde. „Schmidt nahm dafür bewusst nur Handwerker aus der Gegend“, sagte Spießhoefer. Wenn er mal Essen gehen wollte, wählte er gern den „Dorfkrug“ im nahen Dätgen. „Dort hatte man für ihn einen Raum, in dem er auch beim Essen rauchen konnte.“

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