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22:42 07.06.2009

Das Mitleid mit der politischen Konkurrenz hält sich an Wahlabenden meistens in Grenzen. Als kurz nach 18 Uhr die ersten Prognosen bekannt gegeben werden, ist aber selbst Ministerpräsident und CDU-Landeschef Peter Harry Carstensen vom schlechten Ergebnis der SPD überrascht. „Mein lieber Schwan“, entfährt es dem Regierungschef beim Blick auf den Fernsehschirm. Dass auch die Union im Gegensatz zur Europa-Wahl vor fünf Jahren kräftig Federn lassen musste, nehmen die Christdemokraten dagegen gelassen. „Das ist ein ordentliches Ergebnis“, findet der Spitzenkandidat und EU-Parlamentarier Reimer Böge, der die geringe Wahlbeteiligung natürlich für „verbesserungswürdig“ hält. Auch Carstensen zeigt sich selbstbewusst: „Ich bin mit unserem Ergebnis exzellent zufrieden. Ich bin auch mit dem SPD-Ergebnis zufrieden. Und ich bin vor allem mit der Arithmetik der Ergebnisse zufrieden.“ Was heißen soll: Zusammen mit der FDP hätte die CDU die ersehnte bürgerliche Mehrheit. „Das ist eine hervorragende Ausgangsposition für die Bundestagwahl“, kommentiert der CDU-Landeschef. Aber muss er nun nicht erneut damit rechnen, dass in seiner Partei über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition nachgedacht und eine Neuwahl-Debatte vom Zaun gebrochen wird? „Diese Frage stellt sich nicht“, sagt Carstensen fröhlich.

Ein Stockwerk höher in den Fraktionsräumen der SPD ist die Stimmung mehr als gedämpft. Der Aufwind, den die Partei nach der gewonnenen Oberbürgermeister-Wahl in Kiel gespürt hatte, ist verflogen. Auch im Land hat die SPD noch schlechter abgeschnitten als vor fünf Jahren. „Ich hatte mir mehr versprochen“, räumt die alte und neue EU-Abgeordnete Ulrike Rodust ein. „Ich bin sehr enttäuscht, das ist doch klar“, sagt auch der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner. Es sei offenbar nicht gelungen, der eigenen Klientel zu vermitteln, dass Europa wichtig ist. Aufstecken will der Herausforderer von Carstensen allerdings nicht. „Angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung lassen sich keine Rückschlüsse auf die bevorstehende Bundestagswahl und die Landtagswahl ziehen.“ Man sei „enttäuscht, aber nicht mutlos“, sagt Stegner. Und: „Die SPD kann kämpfen. Und das wird sie tun, wenn es soweit ist.“

Bei FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, der sich darüber freut, dass die Liberalen ihr Ergebnis glatt verdoppelt haben, erntet er mit diesen Aussagen nur Spott: „Zusammen mit den Grünen sind wir stärker als die Sozialdemokratie“, witzelt Kubicki und prophezeit: Unter der Führung von Stegner werde die SPD weiter an Boden verlieren. Stolz sind die Nord-Liberalen vor allem darauf, dass sie womöglich erstmals eine eigene Kandidatin ins EU-Parlament schicken. „Ab 10,6 Prozent bin ich drin“, hat die 37-jährige Britta Reimers ausgerechnet, die jede Hochrechnung gespannt verfolgt.

Die schleswig-holsteinischen Grünen haben zwar keinen eigenen Bewerber ins Rennen geschickt. Der Landesvorsitzende Robert Habeck ist aber dennoch „super zufrieden“. Nach den Kommunalwahlen seien die Grünen zum zweiten Mal „die dritte Kraft“ im Land. Es habe sich ausgezahlt, dass man einen ernsthaften Europa-Wahlkampf geführt hat. „Das ist eine Wahl, die uns liegt. Wir hatten viel Zuspruch an den Ständen und richtig viele Eintritte. Wir liegen jetzt wieder über der Marke von 1500 Mitgliedern“, sagt Habeck, der bei den nächsten Wahlen noch zulegen möchte. Er ist überzeugt: „Wenn die Kontraste deutlicher werden, wird das den Grünen eher noch nützen.“

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