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Politik 2,3 Prozent der Fläche Deutschlands reichen für 100 Prozent Ökostrom
Nachrichten Politik 2,3 Prozent der Fläche Deutschlands reichen für 100 Prozent Ökostrom
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06:56 16.10.2018
Windräder bei Dedesen: „genug Platz für ein sauberes Energiesystem“. Quelle: privat
Berlin

Es ist eine Erzählung, wie sie Industrievertreter gerne verbreiten: Eine hundertprozentige Versorgung Deutschlands mit Ökostrom wäre schon wegen des Mangels geeigneter Flächen nicht möglich – außer man würde die ganze Republik mit Windrädern und Solarpaneelen zupflastern. Stimmt nicht, sagen jetzt zwei Studien, die der WWF veröffentlichen will und die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bereits vorliegen.

Das Öko-Institut und Prognos haben im Auftrag der Umweltschützer ausgerechnet, wie viel Fläche nötig wäre, um bis 2050 den Stromverbrauch Deutschland vollständig aus regenerativen Energien zu decken. Ergebnis: Etwa 2,5 Prozent der deutschen Landesfläche wären dafür nötig, wenn man beim aktuellen Erzeugungsmix bliebe. Würde stattdessen beim Ausbau verstärkt auf Solarenergie gesetzt, wären „nur“ bis zu 2,3 Prozent der deutschen Landesfläche nötig.

„Wir haben in Deutschland genug Platz für ein sauberes Energiesystem, es ist günstig und naturverträglich zu realisieren“, sagte Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland, dem RND. Vergangene Woche erst habe der Weltklimarat IPCC mit seinem Sonderbericht einen Weckruf gesendet, dass jetzt gehandelt werden müsse, um die Folgen der Klimakrise abzumildern. „Für Deutschland liefern wir mit unserer Studie nun eine Antwort auf den IPCC-Sonderbericht“, sagte Schäfer. „Wir zeigen, dass und wie sich die Energiewende unter wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten umsetzen lässt und Deutschland damit einen Beitrag zu den internationalen Klimaschutzbemühungen leistet.“

Mäusebussard, Rotmilan und Kiebitz sind bedroht

In einer Begleitstudie hat sich das Umweltplanungsbüro Bosch & Partner mit der Frage beschäftigt, ob und wie ein massiver Zubau von Windkraftanlagen mit dem Schutz bedrohter Wildvogelarten in Einklang zu bringen ist. Dazu wurden sechs Landkreise in Deutschland ausgewählt, in denen die drei besonders häufig betroffenen Vogelarten Mäusebussard, Rotmilan und Kiebitz vorkommen und in denen eine relativ hoher Zubau an Windkraftanlagen erwartet wird. Auch diese Studie kommt zu einem aus Sicht der Umweltschützer positiven Resümee. Selbst in Landkreisen, in denen mit überdurchschnittlich vielen Windkraftanlagen zu rechnen sei, könnten genügen Flächen für den Ausbau gefunden werden, ohne hohe Konflikte mit dem Naturschutz hervorzurufen, schreiben die Autoren.

Auf Basis der Studien fordert der WWF, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien innerhalb der nächsten Dekade zu verdoppeln. „Bis 2030 müssen jährlich etwa 400 Terawattstunden aus regenerativen Energien erzeugt werden, was einem Anteil von knapp 80 Prozent an der Bruttostromerzeugung entsprechen würde“, schreiben die Naturschützer. Außerdem plädieren sie für eine Weiterentwicklung von Planungsinstrumenten sowie für verbesserte Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung an Energieprojekten. „Nur wenn die Interessen der Menschen vor Ort und die Anliegen des Naturschutzes berücksichtigt werden“, kann die Energiewende gelingen“, sagt WWF-Experte Schäfer.

Von Andreas Niesmann/RND

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