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Politik Putins Krieg, Klimawandel, Ernährungskrise: Darüber sprachen die G7-Außenminister in Schleswig-Holstein
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G7-Treffen zum Krieg in der Ukraine: Wie Routine- zu Krisentreffen werden

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19:19 13.05.2022
Gruppenfoto beim G7-Außenministertreffen in Weißenhaus mit (von links nach rechts) US-Topdiplomatin Victoria Nuland als Vertretung von Außenminister Antony Blinken, EU-Außenbeauftragter Josep Borell, Kanadas Außenministerin Mélanie Joly, Jean-Yves Le Drian aus Frankreich, Annalena Baerbock aus Deutschland, Luigi Di Maio aus Italien, Liz Truss aus Großbritannien und Yoshimasa Hayashi aus Japan.
Gruppenfoto beim G7-Außenministertreffen in Weißenhaus mit (von links nach rechts) US-Topdiplomatin Victoria Nuland als Vertretung von Außenminister Antony Blinken, EU-Außenbeauftragter Josep Borell, Kanadas Außenministerin Mélanie Joly, Jean-Yves Le Drian aus Frankreich, Annalena Baerbock aus Deutschland, Luigi Di Maio aus Italien, Liz Truss aus Großbritannien und Yoshimasa Hayashi aus Japan. Quelle: IMAGO/Chris Emil Janßen
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Berlin

Die Bilder erinnern an eine Familienfeier: Ein Sommerspaziergang unter Bäumen, freundliche Gesichter beim Treffen in einem lichten Saal, eine herzhaft lachende Annalena Baerbock mit Jean-Yves Le Drian aus Frankreich. Aber tatsächlich ging es dabei um wenig fröhliche Themen: um Krieg vor allem und um Hunger. Ins schleswig-holsteinische Weissenhaus an der Ostsee hatte Außenministerin Baerbock ihre Amtskollegen aus den G7-Staaten geladen. Aus dem Routinetreffen im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft wurde wegen des Kriegs gegen die Ukraine eine Art Krisensitzung.

Den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba hatte Baerbock kurzerhand mitgenommen von ihrer Reise nach Kiew in dieser Woche. Dazu geladen war auch Nicu Popescu aus Moldau – das kleine Nachbarland der Ukraine hat viele Flüchtlinge aufgenommen und fürchtet, bei Russland ebenfalls auf der Liste möglicher Angriffsziele zu stehen.

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Baerbock sprach von einem Zeichen der Solidarität. Kuleba nutzte die Gelegenheit, die führenden Industriestaaten dazu aufzurufen, die Waffenlieferungen zu beschleunigen. Wenn man kämpfe, sei es nicht hilfreich, wenn die dafür benötigten Waffen noch „auf dem Weg“ seien, sagte er. Sein Land brauche Mehrfachraketenwerfer, die in Aussicht gestellt aber noch nicht geliefert worden seien. Für die Verstärkung der ukrainischen Luftstreitkräfte gebe es noch keine Lösung.

Außenministerin Annalena Baerbock und ihr französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian beim G7-Treffen in Weissenhaus. Quelle: Kay Nietfeld/dpa-Pool/dpa

Die Ukraine hätte gern Kampfflugzeuge. Die forscheste Unterstützung erhielt er von der britischen Außenministerin Liz Truss, die erklärte, nötig sei vor allem Ausrüstung mit Nato-Standard. Insbesondere die Bundesregierung setzt bei der Lieferung von schwerem Gerät wie Panzern darauf, zunächst Modelle sowjetischer Bauart an die Ukraine zu liefern, die noch in verschiedenen osteuropäischen Ländern verfügbar sind. Kuleba wies darauf hin, dass diese Vorräte endlich seien.

EU stellt weitere 1,5 Milliarden Euro bereit

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borell kündigte am Rande des Treffens an, dass die EU ihre Unterstützung für Waffen- und Ausrüstungskauf um 500 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro erhöhe.

Weiterer Fokus der Außenminister aus den G7-Staaten Deutschland, USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan, war die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung weltweit. Diese ist sowohl von dem Krieg in der Ukraine als auch von der Klimakrise bedroht. Von der globalen Ernährungskrise sie derzeit nur die Spitze des Eisbergs zu sehen, sagte Baerbock. Sie werde sich mit den steigenden Temperaturen im Sommer zuspitzen. Russlands Präsident Wladimir Putin setze darauf, die Lage durch den Krieg zu verschlimmern. Er führe auch einen „Ernährungskrieg“. Die Ukraine ist ein wichtiger Exporteur von Getreide.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sagte bei einem Treffen mit seinen G7-Kollegen in Stuttgart, man bemühe sich, Alternativen zum Transport über die ukrainischen Häfen zu finden, die wegen der russischen Angriffe nicht arbeiten können. „Der Hafen von Odessa muss gesichert werden, er darf nicht fallen“, sagte Özdemir in Stuttgart.

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An der Ostsee mahnte derweil der Ukrainer Kuleba, die EU müsse den Widerstand Ungarns gegen einen Stopp russischer Ölembargos überwinden. Putin wolle schließlich auch das: die Einheit der EU brechen. Wie zur Unterstützung ballten sich am Himmel über ihm dunkle Regenwolken zusammen.

(mit dpa)

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Von Daniela Vates/RND