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Politik Städte um Kiel schrumpfen
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00:15 11.02.2014
Von Ulf Billmayer-Christen
Zur Holstenköste trifft sich ganz Neumünster in der Innenstadt. Holsteins altes Zentrum stemmt sich dem Trend des Bevölkerungsschwunds entgegen. Quelle: Leng (Archivbild)
Neumünster

„Wir sind gut aufgestellt und haben großen Zulauf“, sagt Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (CDU). Die Stadt, die 1970 aus vier Dörfern mit rund 60000 Einwohnern entstand, floriert wie kaum eine andere im Norden, hat inzwischen 75365 Einwohner und keine Wohnungsleerstände. „Wir sind ausgebucht“, berichtet Grote. Mehrere Neubaugebiete sind ausgewiesen, darunter eines mit 600 Wohneinheiten für 2000 Menschen. Den Erfolg erklärt er mit der „glücklichen Lage“ der Stadt an der Grenze zu Hamburg. „Mit Neumünster möchte ich nicht tauschen“, bilanziert der OB.

Das alte Zentrum Holsteins schrumpfte von 85000 Bürgern (1975) auf nur noch 77103. Ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht. „Wir haben in den letzten Jahren Einwohner verloren, müssen uns aber nicht verstecken“, versichert Oberbürgermeister Olaf Tauras (parteilos). Neumünster sei eine aufstrebende Stadt in der Metropolregion. Trotz geplanter Ansiedlungen, etwa von Amazon, rechnet Neumünster mit weiteren Einwohnerverlusten. Nach Angaben der Stadt stehen derzeit etwa 2000 Wohnungen leer.

Das Süd-Nord-Gefälle wächst nicht nur zwischen größeren Städten, sondern auch zwischen Mittelzentren. Vor 50 Jahren war Elmshorn (Kreis Pinneberg) mit knapp 35000 Einwohnern noch etwas kleiner als Rendsburg. Heute leben in Elmshorn knapp 47000 Menschen, in Rendsburg sind es nur noch 27000.

Denselben Trend gibt es bei Kleinstädten. Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) konnte seine Einwohnerzahl binnen 40 Jahren auf rund 20000 verdoppeln, die Stadt Plön büßte zeitgleich 3000 Bürger ein. Heute leben in Plön noch knapp 9000 Menschen.

Immer stärker ins Hintertreffen geraten auch andere Kreisstädte abseits des Speckgürtels. Schleswig, Eutin, Husum und Heide sind inzwischen kleiner als Ahrensburg, Reinbek (beide Kreis Stormarn) oder Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg).

Dem starken Süden die Stirn bieten können derzeit nur die beiden größten Städte Kiel und Lübeck. Die Landeshauptstadt hat zwar in den vergangenen 50 Jahren fast 30000 Einwohner eingebüßt, ist aber ebenso wie Lübeck seit mehreren Jahren auf Wachstumskurs.

Beide Städte zählen auch zu den Gewinnern der Reform des kommunalen Finanzausgleichs. Innenminister Andreas Breitner (SPD) stellte am Freitag seinen Gesetzentwurf vor, der Ende März in die parlamentarische Beratung geht.