Gesunde Ernährung - Schulen sollen Nachhilfe geben
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Politik Gesunde Ernährung als Unterrichtsfach?
Nachrichten Politik Gesunde Ernährung als Unterrichtsfach?
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10:00 21.06.2018
Von Christian Hiersemenzel
Gesunde Ernährung: Im Land gibt es Forderung nach einem neuen Unterrichtsfach. Quelle: Peter Endig
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Kiel

NGG-Geschäftsführer Finn Petersen sprach vom „Kleinen Einmaleins des Essens“. Schon Kindern müsse vermittelt werden, woher Essen kommt und zu welchen Bedingungen es produziert wird. Ein eigenes Schulfach solle die Wertschätzung von Lebensmitteln steigern – und dafür sensibilisieren, „dass faire Arbeitsbedingungen eine Voraussetzung für gutes Essen sind“. Landespolitiker äußerten dafür jede Menge Sympathie.

„Die gesunde Schule ist im Jamaika-Koalitionsvertrag ein wichtiger Punkt“, bestätigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). In der Tat komme es darauf an, die Facetten des Themas Ernährung nicht nur im Fach Verbraucherbildung zu vermitteln, „sondern fächer- und schulartenübergreifend sowie altersgerecht möglichst von Beginn an“. Die Ministerin wies auf das Schulobst-Programm hin, das derzeit von mehr als 100 Grundschulen pädagogisch begleitet werde. Auch sei man mit dem Bauernverband im Gespräch, um mehr Schulbesuche auf Bauernhöfen zu ermöglichen.

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Der Kieler CDU-Abgeordnete Tobias Loose ergänzte, dass die Jamaika-Koalition das „identitätsstiftende, verpflichtende Projekt Schulklasse auf dem Bauernhof“ weiterentwickeln wolle: Aktuell gebe es im Norden etwa 150 Höfe, die sich als Lernort zur Verfügung stellen. „Wir wissen, dass das Thema Ernährung auch in der Schule stärker thematisiert werden muss.“ Seine Grünen-Kollegin Ines Strehlau pflichtete ihm bei. „Die hohe Zahl der übergewichtigen Kinder macht das deutlich.“ Ernährung und Gesundheit sei allerdings in den fünften und achten Klassen der Gemeinschaftsschulen schon jetzt fester Bestandteil des Lehrplans.

Die FDP befürchtet organisatorische Probleme und sorgt sich, dass ein neues Fach zu anderen Stundenverlusten führen könnte. „Wir erreichen mehr, wenn wir das Thema stärker in den Lehrplan bestehender Fächer integrieren“, sagte die Abgeordnete Anita Klahn. Ernährungsfehler begännen allerdings bereits im Familienalltag. „Aufklärung muss also auch außerhalb der Schule stattfinden.“ Dem schloss sich Frank Brodehl (AfD) an. „Kinder dazu zu bewegen, sich gesund zu ernähren, ist eine wichtige Erziehungsaufgabe – die zuvorderst den Eltern obliegt.“ Dies könne Unterricht durch Vermittlung von Detailwissen unterstützen – wenn auch nicht mit einem eigenen Fach.