Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Politik Griechenland-Hilfen: Therapie erfolglos beendet
Nachrichten Politik Griechenland-Hilfen: Therapie erfolglos beendet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 21.08.2018
Das nächste Sparprogramm ist schon verordnet. Quelle: dpa
Anzeige
Athen

Nach einer Therapie sollte es dem Patienten besser gehen als vorher. Im Fall Griechenlands, das sich an diesem Montag von den achtjährigen Hilfsprogrammen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds abgenabelt hat, ist es umgekehrt: Das Land und seine Menschen sind ausgezehrt.

Die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie am Anfang der Rettung, Löhne und Renten fielen im Durchschnitt um 30 Prozent. Jeder Dritte in Griechenland ist von Armut bedroht. Die Wirtschaftskraft schrumpfte um ein Viertel, der Schuldenberg ist heute um die Hälfte höher als 2009.

Anzeige

Da fällt es schwer, von einem Erfolg zu sprechen. Griechenland trägt dafür Mitverantwortung. Die Institutionen des Landes sind schwach, Korruption und politische Vetternwirtschaft sind tief verwurzelt. Die Athener Regierungen verschleppten Reformen, weil sie Konflikte mit Interessengruppen und der eigenen politischen Klientel scheuten. Schuld trifft aber auch die Kreditgeber. Sie unterschätzten die Wirkung der Sparvorgaben und trieben so Griechenland in eine Rezession, die hinsichtlich Tiefe und Dauer sogar die „Große Depression“ in den USA Anfang der 1930er-Jahre übertraf. Das Ergebnis dieser „Rettungspolitik“ ist eine humanitäre Katastrophe, die Hellas auch wirtschaftlich lähmt.

Als wollten sie daraus nichts lernen, haben die Gläubiger dem Land sogleich neue scharfe fiskalische Auflagen verordnet, die bis ins Jahr 2060 reichen. Das Letzte, was Griechenland jetzt hilft, ist ein neues Sparkorsett. Hellas braucht eine Art Marshallplan, um Strukturen und Institutionen aufzubauen, die seine Zukunft sichern – im Gesundheitswesen, der Sozialversicherung und im Bildungssystem. Die EU kann dabei helfen. Wenn Griechenland sich noch helfen lässt.

Von Gerd Höhler