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Politik Gülle bedroht das Trinkwasser
Nachrichten Politik Gülle bedroht das Trinkwasser
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10:00 17.03.2018
Von Christian Hiersemenzel
Foto: Bauern in Not: Durch hohe Viehbestände fallen große Güllemengen an. 
Bauern in Not: Durch hohe Viehbestände fallen große Güllemengen an.  Quelle: Jan Woitas
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Kiel

Nach Einschätzung des Kieler Umweltministeriums halten 23 von 55 geologisch zusammenhängenden Vorkommen aufgrund zu hoher Nitratgehalte die Anforderungen nicht ein.„27 Millionen Tonnen sind einfach zu viel“, sagte Umwelt- und Agrarminister Robert Habeck (Grüne) gestern. Er sprach auf einer Veranstaltung zum Tag des Wassers im Kieler Schloss, wo 370 Teilnehmer über den Schutz des Trinkwassers diskutierten. „Dort, wo hohe Viehbestände und viele Biogasanlagen zusammenkommen, passt der Nährstoffanfall nicht mehr mit den Ausbringungsflächen zusammen. Es wird schlichtweg zu viel gedüngt.“ Das habe dramatische Folgen für das Grundwasser und damit für das Trinkwasser künftiger Generationen.

Auch nach mehr als 20 Jahren Düngeverordnung hätten sich die Nitrateinträge nicht verringert. Habeck prognostizierte, dass auch die „nach langem Gewürge“ im Herbst verabschiedete neue Verordnung, mit der die Bundesregierung die Nährstoffeinträge senken will, kaum weiterhelfen dürfte. Aufgrund bestimmter Pauschalfaktoren, die Landwirte bei ihren Stickstoffbilanzen geltend machen können, ließen sich Probleme schönrechnen. 18 Millionen Tonnen Gülle würden nach dieser Kalkulation im Norden pro Jahr ausgebracht. „In Wahrheit sind es aber die erwähnten 27 Millionen.“

Friedhelm Taube, Agrar-Professor an der Kieler Uni, sieht unterdessen auch positive Effekte. „Wer will, kann auch durch die neue Verordnung hindurch schlüpfen. Aber die Landwirte sind gezwungen, sich mit exakter Düngeplanung auseinanderzusetzen.“ Das bewerte er als Fortschritt. Zu viel Bürokratie? „Es ist ist im Interesse eines jeden erfolgreichen Unternehmers, sich damit zu beschäftigen“, so Taube.

Bauernverbandspräsident Werner Schwarz räumte ein, dass es in einigen Regionen im Norden einen hohen Viehbesatz gebe. „Aber das regeln die Landwirte, indem sie die Exkremente in andere Regionen transportieren.“ Seine Branche sei für die neue Richtschnur dankbar. „Gemeinsam wollen wir sauberes Wasser haben.“

Auch Pflanzenschutzmittel bereiten den Fachleuten Sorgen. Abbauprodukte ließen sich in nahezu allen Regionen des Landes im Wasser der tieferen Erdschichten feststellen, hieß es. Der Norden gewinnt 100 Prozent seines Trinkwassers aus Grundwasser.

17.03.2018
17.03.2018