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Politik Habecks Erfolg ist Kramp-Karrenbauers Problem
Nachrichten Politik Habecks Erfolg ist Kramp-Karrenbauers Problem
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13:31 16.06.2019
Grünen-Chef Robert Habeck Quelle: imago images / photothek
Berlin

Und weiter geht der Hype. Am Zaun gerüttelt hat Robert Habeck soweit man weiß noch nicht, aber immer mehr Deutsche sehen den Grünen-Chef im Kanzleramt. 51 Prozent – so viele Wähler würden sich laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ für Habeck entscheiden, wenn der bei einer Direktwahl gegen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer anträte. Die Kanzlerinnenhoffnung der Konservativen käme dagegen nur auf 24 Prozent. Sie liegt damit noch unter den schlechten Werten ihrer Partei, die auf 25 Prozent (Grüne 27 Prozent) käme. Habecks Erfolg ist Kramp-Karrenbauers Problem.

Nun können die Deutschen ihren Kanzler aber nicht direkt wählen, und es ist auch keineswegs ausgemacht, dass Kramp-Karrenbauer für die Union ins Rennen gehen wird. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet soll ebenfalls Ambitionen haben und der bei der Wahl zum CDU-Parteivorsitz nur knapp geschlagene Friedrich Merz sowieso. Laschet käme im Direkt-Vergleich mit Habeck auf 29 zu 40 Prozent der Stimmen, Merz auf 33 zu 39 Prozent. Und trotzdem läge der Grüne vorne.

Das Zoffen übernehmen andere

„Wir Grüne haben Selbstvertrauen. Wir haben eine klare Orientierung in zentralen Fragen, denen sich unser Land stellen muss“, sagt Grünen-Europachef Reinhard Bütikofer. „Und wir öffnen uns zur Gesellschaft, statt unter uns zu zoffen.“

Das Zoffen übernehmen zurzeit andere, allen voran die SPD. Nach dem Rückzug von Parteichefin Andreas Nahles sind die dauerkriselnden Genossen in bundesweiten Umfragen auf nur noch auf 12 Prozent der Stimmen zurückgefallen. Sie liegen damit hinter der AfD auf Platz vier.

Mit jedem Prozentpunkt, den die Sozialdemokraten verlieren, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die entnervte Parteibasis der Großen Koalition den Stecker zieht. Dann gäbe es wohl vorgezogene Neuwahlen und die Parteien müssten entscheiden, wen sie ins Rennen um das Kanzleramt schicken wollen.

Stille bei den Grünen

Offiziell will kaum ein Grüner etwas zum dem Thema Kanzlerkandidatur sagen. Läuft ja auch so für die Öko-Partei. Außerdem ist die Frage extrem heikel, denn bislang waren die Grünen für gewöhnlich mit einer männlich-weiblichen Doppelspitze in die Bundestagswahlen gegangen. Das aktuelle Führungsduo Robert Habeck und Annalena Baerbock wäre dafür wie gemacht. Im Kanzleramt aber gibt es keine Doppelspitze. Da muss man sich entscheiden.

Ein Grüner aus Bayern denkt schon einmal laut nach: „Wenn es die Umfragen weiterhin hergeben, bin ich für eine klare Kanzlerkandidatur und gegen eine Doppelspitze bei der nächsten Bundestagswahl“, sagte der bayerische Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Spitzenmann oder die Spitzenfrau müsse von den Mitgliedern per Urwahl bestimmt werden. „Dieser basisdemokratische Prozess und grüne Inhalte sind wichtiger als Anzahl und Geschlecht der Kandidierenden“, sagt Hartmann.

Es gibt ein historisch Vorbild dafür: Joschka Fischer. Der frühere Obergrüne hatte die Partei 2005 als einziger Spitzenkandidat in die Bundestagswahl geführt. Damals allerdings war Fischer schon Vizekanzler und Außenminister – außerdem schien das Kanzleramt in nahezu unerreichbarer Ferne. Das ist nun anders. Die Grünen werden eine Entscheidung treffen müssen.

Gut möglich, dass es mit der guten Stimmung dann erst Mal vorbei ist.

Von Andreas Niesmann/RND

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