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Politik Datenleck betrifft viele SH-Politiker
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17:03 04.01.2019
Vom Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind auch bekannte Schleswig-Holsteiner betroffen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin/Kiel

Hacker haben am Morgen die Daten von vielen Politikern und Prominenten veröffentlicht. Auf den Listen stehen unter anderem die Namen von mehr als 20 Politikern aus Schleswig-Holstein. Genannt werden  Finanzministerin Monika Heinold, Umweltminister Jan Philipp Albrecht (beide Grüne), Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete. Betroffen sind auch SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner und Ministerpräsident Daniel Günther.

"Ich habe heute Morgen davon erfahren", sagte Stegner am Freitag. "Das ist eine gravierende Verletzung der Vertraulichkeit von Daten." Es müssten alle Vorkehrungen getroffen werden, um die Daten möglichst gut zu schützen.

Vom Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck, der in Flensburg wohnt, veröffentlichten die Hacker offenbar einen wesentlichen Teil der digitalen Kommunikation mit seiner Familie. Das weitere Vorgehen werde nun beraten.

So reagierte Daniel Günther auf das Datenleck

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat den Online-Angriff auf Politiker und Prominente als „besorgniserregenden Vorgang“ bezeichnet. „Ich habe mir die eigenen Nummern angeguckt und habe festgestellt: Da waren auch einige Treffer dabei“, sagte Günther am Freitag in Kiel. Er räumte ein, mit den eigenen Daten bislang „recht transparent umgegangen“ zu sein.

„Auch meine private Telefonnummer hat man bis vor einiger Zeit öffentlich gefunden, auch in Telefonbüchern“, sagte Günther. Davon sei er aber abgerückt, weil recht viele Menschen davon Gebrauch gemacht hätten. „Ich habe das eigentlich bedauert, weil ich es gut fand, dass es auch die Möglichkeit gibt, ganz normal mit seiner Telefonnummer im Netz zu stehen.“ Er entscheide aber gerne selbst darüber, wem er die eigene Handynummer gebe.

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Seine Nummer hat Günther als Reaktion auf das Datenleak bislang aber nicht abgeschaltet. „Ich bin eigentlich sehr froh darüber, dass ich meine Handynummer nicht dauernd wechsele.“ Er habe seit 1996 dieselbe. Er sei auch als Ministerpräsident immer sehr fair behandelt worden. „Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt.“

Telefonnummern und Chat-Verläufe öffentlich

Es waren persönliche Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht worden. Betroffen seien "alle Ebenen" - Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz in Berlin. Es könnten auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein, sagte sie. Zu den Daten zählen Telefonnummern und Chat-Verläufe.

Zu dem Leak von persönlichen Daten erklärt der netzpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Rasmus Andresen: "Der Hacker-Angriff und Leak von zahlreichen Daten von Politiker*innen, Journalist*innen und Prominenten ist ein Angriff auf unsere Demokratie und Freiheit. Er zeigt: Datenschutz ist keine nervige Petitesse. Datenschutz und eine robuste digitale Infrastruktur, die Hacker-Angriffe erfolgreich abwehren, sind überlebenswichtig für unsere Demokratie. Wer privateste Daten, die teilweise zum intimen Lebensbereich gehören, online stellt, will die Betroffenen gezielt einschüchtern und verunsichern."

Account mittlerweile gesperrt

Der Account, der die gestohlenen Daten zuerst auf Twitter veröffentlicht hat, ist mittlerweile gesperrt worden. Auch das Blog, das zu diesem Konto gehörte, ist nicht mehr online.

Der Social-Media-Analysten Luca Hammer hat sich die Twitter-Accounts angeschaut und sieht eine Verbindung zur Gaming-Szene. Er hat eine schlüssige Theorie, wie die Täter vorgingen.

Von RND/dpa

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