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Politik IS soll Anschlag auf Musikfestival in Deutschland geplant haben
Nachrichten Politik IS soll Anschlag auf Musikfestival in Deutschland geplant haben
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21:28 17.10.2018
Zahlreiche Besucher bei einem Festival (Symbolfoto). Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Berlin

Die Terrormiliz Islamischer Staat soll einen großen Anschlag in Deutschland vorbereitet haben. Davon berichtet eine Recherchegruppe des NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ ebenso wie die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte den Medien die Terrorplanungen. „Für uns war die Faktenlage in diesem Fall sehr konkret und auch belastbar“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank im Interview mit dem Recherchekollektiv. Nach jetzigem Ermittlungsstand hatte der IS womöglich ein Musikfestival als Anschlagsziel erwogen, berichten die Medien übereinstimmend.

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Eine zentrale Rolle in der Planung sollte ein deutsches Ehepaar spielen. Marcia M. und Oğuz G. waren laut „Die Zeit“ im Herbst 2015 nach Syrien ausgereist und hatten sich dem IS angeschlossen.

Männer sollten zur Tarnung verheiratet werden

Nach Erkenntnissen der Ermittler sah der Plan vor, dass drei Zellen mit potenziellen Attentätern nach Deutschland geschleust werden sollten. In Deutschland sollten die Männer zur Tarnung verheiratet werden.

In Chatnachrichten, die die deutschen Behörden überwachten, hatte Marcia M. im Auftrag der Terrororganisation von der syrischen Stadt Rakka aus Frauen in Norddeutschland gesucht, die bereit waren, potenzielle Attentäter zu heiraten, berichtet die Wochenzeitung weiter. M. stammt aus Salzgitter. Unwissentlich hatte sie mit einer Person Kontakt, die das Bundesamt für Verfassungsschutz informierte. Später übernahmen das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen.

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Laut dem Bericht war in den Chatnachrichten Ende 2016 und Anfang 2017 von mehreren „Paketen“ die Rede. Die „Brüder“, die nach Deutschland kommen sollten, hätten „eine sehr wichtige Arbeit zu erledigen“, schrieb Marcia M.

Oğuz G. ergab sich nach dem Fall der ehemaligen IS-Hochburg Rakka

Das Recherchekollektiv des NDR, WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ sprach mit dem Mann von Marcia M, Oğuz G. Er sitzt den Angaben zufolge derzeit in einem kurdischen Gefangenenlager in Nordsyrien ein. Dort stimmte er einem Interview mit den Reportern zu. Er behauptete, seine Mitgliedschaft beim Islamischen Staat mittlerweile zu bereuen.

G. stammt aus Hildesheim in Niedersachsen und geriet nach eigenen Angaben zufällig in die Planungen. „Ich bin da reingerutscht“, sagt er. Als er vom eigentlichen Plan erfuhr, habe er versucht, „aus der Sache wieder rauszukommen.“ Nach dem Fall der ehemaligen IS-Hochburg Rakka hatte sich Oğuz G. ergeben.

Auch er berichtete, dass seine Frau und er in Deutschland für die Rekrutierung von heiratswilligen Frauen zuständig gewesen sein sollen, die die Attentäter heiraten und beherbergen sollten. Ihm zufolge war Marcia M. zum Islam konvertiert und nahm Kontakt zu einer Frau aus der norddeutschen Islamistenszene auf. Bei ihr soll es sich um die Kontaktfrau zum Verfassungsschutz handeln.

Auftraggeber soll hochrangiger IS-Funktionär gewesen sein

Der Auftrag geht den Ermittlungen zufolge offenbar auf einen hochrangigen IS-Funktionär mit dem Kampfnamen Abu Mussab al-Almani zurück, berichten alle Medien übereinstimmend.

Dahinter soll sich der inzwischen offenbar bei Kämpfen in Syrien zu Tode gekommene Schweizer Thomas C. verbergen, der als ranghöchster bekannter IS-Funktionär aus dem deutschsprachigen Raum galt. Er soll in der Abteilung „Externe Operationen“ gearbeitet haben. Diese plant Attacken im Ausland und wird für die Anschläge in Paris im November 2015 verantwortlich gemacht.

Die Planungen für den Terroranschlag wurden durch die Ermittlungen der deutschen Behörden sowie den Zerfall des IS durchkreuzt. Dem Recherchekollektiv zufolge haben Marcia M. und Oğuz G. gegenüber den deutschen Behörden umfangreiche Angaben zu den Anschlagsplänen gemacht. Beide warten demnach nun auf ihre Überstellung nach Deutschland, wo bereits Haftbefehle gegen sie erlassen wurden.

Von RND/ngo