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Politik Israelische Botschaft: „Brutale Terroranschläge” – schwere Vorwürfe gegen Polizei
Nachrichten Politik Israelische Botschaft: „Brutale Terroranschläge” – schwere Vorwürfe gegen Polizei
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11:00 10.10.2019
Halle: Polizisten sichern an der Mauer zur Synagoge die Umgebung, eine abgedeckte Leiche liegt auf der Straße. Bei Schüssen sind zwei Menschen getötet worden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Berlin

Die israelische Botschaft in Berlin hat die bewaffneten Angriffe in Halle als „brutale Terroranschläge“ bezeichnet. „Wir sind geschockt und erschüttert von den brutalen Terroranschlägen heute Mittag in Halle, während jüdische Betende in den Synagogen in ganz Deutschland versammelt waren, um Jom Kippur zu begehen, den heiligsten Tag im Judentum“, hieß es am Mittwoch in einer auf Facebook verbreiteten Erklärung der Botschaft. „Gemeinsam müssen wir jede Form von Extremismus ablehnen und vereint gegen solchen sinnlosen Terror vorgehen.“

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Die Botschaft dankte ausdrücklich den deutschen Sicherheitskräften. Man vertraue nun darauf, dass alle Maßnahmen ergriffen würden, um die Täter zu fassen und sie umgehend der Justiz zuzuführen. In Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt waren am Mittwoch zwei Menschen durch Schüsse getötet und mehrere verletzt worden. Ein Opfer wurde nahe der Synagoge gefunden. Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach von einem „antisemitischen Angriff“.

„Skandalöses“ Vorgehen der Polizei

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußert sich schockiert über die tödlichen Schüsse in der Nähe einer Synagoge in Halle und erhebt Vorwürfe gegen die Polizei. Der Täter habe versucht, in die Synagoge einzudringen, und auch der benachbarte jüdische Friedhof sei angegriffen worden, sodass von einem antisemitischen Tatmotiv auszugehen sei, erklärte Schuster am Mittwochabend in Berlin. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, sagte der Zentralratsvorsitzende.

Diese Fahrlässigkeit habe sich bitter gerächt. „Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen“, erklärte Schuster: „Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.“ Die jüdische Gemeinschaft sei „auf das Tiefste in Sorge versetzt und verängstigt“.

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„Zuallererst sind wir jedoch erschüttert, dass zwei Menschen von dem skrupellosen Täter umgebracht wurden“, sagte Schuster: „Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Ebenso sorgen wir uns um die Verletzten und wünschen ihnen rasche und vollständige Genesung.“

RND/dpa

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