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08:12 30.01.2018
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, M) sitzt bei einer Pressekonferenz zwischen seinen Stellvertretern, Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen,l) und Sozialminister Heiner Garg (FDP,r). Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Er heißt Daniel Günther, doch in der Kieler Staatskanzlei nennen ihn die meisten nur MP. So heißt abgekürzt im Dienstbetrieb seit Jahrzehnten der Ministerpräsident, und das macht die alltägliche Kommunikation auch ziemlich einfach. Wenn eine Sache nicht ganz so wichtig ist, wenden sich die Mitarbeiter an CdS, das ist der Chef der Staatskanzlei, namentlich aktuell Dirk Schrödter.

Nun müssten die Minister in der sprachlichen Logik abgekürzt einfach M heißen, so wie die MI6-Chefin bei James Bond. Und so ist es oft tatsächlich, im Wirtschaftsministerium zum Beispiel, im Sozialministerium und im Innenressort ebenfalls. Dort heißt es aber auch IVM, denn das Innenministerium trägt die Nummer IV. Folglich ist Umweltminister Robert Habeck VM, aber genannt wird er doch überwiegend Robert - bei den Grünen ist das halt ein bisschen anders als bei CDU und FDP.

In den Fraktionen stellt sich das alles etwas anders dar als in der Regierung. Das Kürzel FV für den Fraktionsvorsitzenden wird schon auch verwendet, zum Beispiel bei der CDU. Die meisten Christdemokraten sprechen aber von Tobias (Koch), und bei den noch stärker duz-affinen Sozialdemokraten ist es der Ralf (Stegner), bei den Grünen die Eka (von Kalben) und beim dänisch orientierten SSW natürlich der Lars (Harms). Die zweithöchsten Politiker in der Fraktionshierarchie sind übrigens die PGFs, die Parlamentarischen Geschäftsführer, also die Fraktionsmanager.

A, B , C und 1, 2, 3

Über die Zeit hat sich in Land und Bund ein Politik-Code entwickelt, der Außenstehenden ziemlich fremd erscheinen muss. Wenn zum Beispiel Politiker mit Journalisten reden, dann können sie das auf drei Ebenen tun. Ist die Information frei unter Berufung auf den jeweiligen Politiker verwendbar, geschieht das «unter A». Darf die Quelle nicht zitiert werden, läuft das «unter B», und wenn gar nicht berichtet werden darf, «unter C». In Berlin rangiert das alles «Unter 1», «unter 2» und «unter 3».

Oft treten die Politiker vor die LPK, um ihre Statements abzugeben. Dahinter verbirgt sich die Landespressekonferenz, deren Name eine doppelte Bedeutung hat. Er steht zum einen für den Zusammenschluss der Journalisten, die über Landespolitik berichten, und zum anderen für die Pressekonferenz selbst, die in Kiel in der Regel donnerstags stattfindet. Dann sprechen die Politiker natürlich «unter A». Das, was mal «unter C» ausgeplaudert wurde, steht zuweilen, wenngleich im Norden sehr selten, irgendwann auch mal in der Zeitung. Und dann gibt es Ä - Ärger.

Von dpa

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