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Politik Ausladung schlägt hohe Wellen
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00:24 21.03.2015
Die Einladung an die russische Marine für die Kieler Woche 2015 war Mitte November verschickt worden. Quelle: emk/Stadt Kiel
Kiel

Im Rathaus sind die Lager geteilt.

Die Einladung an die russische Marine war Mitte November verschickt worden. Der russische Botschafter antwortete am 12. Januar und schrieb, dass die russische Marie gerne an der Kieler Woche teilnähme. Daraufhin kontaktierte die Landeshauptstadt das Auswärtige Amt, um die Chancen für eine Einlaufgenehmigung auszuloten. Die Absage macht den Stadtpräsidenten fassungslos: „Die Kieler Woche ist die ideale Plattform, damit auch russische Marinesoldaten auf Augenhöhe mit Soldaten anderer Nationen in Kontakt kommen können. Schon Andreas Gayk hat die Kieler Woche als eine Werkstatt des Friedens bezeichnet.“

 „Wir bedauern die Absage an die russische Marine“, sagte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Friedrich Traulsen. „Wir verstehen die Kieler Woche als Ort der Begegnung, des Austausches und des Gespräches über Grenzen hinweg. Das Internationale Städteforum, aber auch das Flottentreffen sind dafür seit langem herausragende Beispiele“, so Traulsen weiter.

 Der Chef der CDU-Ratsfraktion, Stefan Kruber, ist anderer Ansicht: „Ich kann nachvollziehen, dass es aus Kieler Sicht schön wäre, hier die russische Marine zu begrüßen. Ich kann aber auch aus bündnispolitischer Sicht nachvollziehen, dass ein Empfang russischer Schiffe in dieser Zeit ein falsches Signal ist.“ Aus seiner Sicht gibt es einen Unterschied zum Kalten Krieg vor 30 Jahren. „Es besteht die Möglichkeit, dass russische Soldaten und Schiffe erst in Kiel begrüßt und bald danach vor der Küste der Ukraine eingesetzt werden.“

 Kritik an der Stadt kommt von FDP-Fraktionsvize Christina Musculus-Stahnke: „Wie es den Anschein hat, wäre es im Vorgehen besser gewesen, wenn sich Kiel schon vor der Einladung der Marineeinheiten in Berlin über eine mögliche Einlaufgenehmigung erkundigt hätte – so wäre eine erneute Absage erspart geblieben.“ Aus ihrer Sicht liegt der Ball in Berlin. Es sei müßig, auf kommunaler Ebene darüber zu diskutieren.

 „Für die Linke würde es vollkommen ausreichen, könnten sich die Marinen dieser Welt damit begnügen, ihre Segelschulschiffe nach Kiel zu entsenden. Auf Kriegsschiffe können wir gut und gerne verzichten“, erklärte Fraktionvorsitzender Heinz Wieser. Ähnlich äußert sich Marcel Schmidt von der SSW-Fraktion: „Die ganze Entwicklung bedauern wir zutiefst. Wir würden uns aber freuen, wenn zumindest ein Segelschulschiff aus Russland zur Kieler Woche käme.“

 Während im Stützpunkt ohne russische Marine geplant wird, laufen die Vorbereitungen für den Besuch von rund 30 anderen Marineschiffen. Die russische Flagge wird aber dennoch wehen. „Wir haben eine Anmeldung für das russische Segelschulschiff ,Sedov’ vorliegen“, sagt Hafenkapitän Michael Schmidt. Die „Sedov“ wird zusammen mit den SegelschulschiffenGorch Fock“ und „Dar Mlodziezy“ (Polen) an der Windjammerparade teilnehmen. „Liegeplätze haben wir auch noch für weitere Anmeldungen. Die Seeleute sollen sich die Hände reichen“, sagt Schmidt.

 Die Region Kaliningrad schickt nach Mitteilung der Stadt eine Delegation. Ein weiterer Russe wird mit offenen Armen empfangen: Michail Gorbatschow (83), Erfinder von Glasnost und Perestroika. Mit dem Weltwirtschaftlichen Preis ehrt die Stadt den Mann, der den Weg für die deutsche Wiedervereinigung frei machte.

Von Frank Behling und Ulf B. Christen

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