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Politik So erlebt sie das "Sea Watch"-Drama
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08:58 28.06.2019
Von Anne Holbach
Versucht vergeblich einen sicheren Hafen anzusteuern: die "Sea-Watch 3" Quelle: Chris Grodotzki
Lampedusa

Die meisten seien Befürworter der Seenotretter gewesen. „Sie haben gehofft, dass das Schiff hier anlegen kann“, sagt die 28-Jährige. Aber auch „Sea Watch“-Gegner seien mit Transparenten an den Hafen gekommen und hätten dort bis zum späten Abend verharrt.

Pina Bonadonna ist Halb-Kielerin, Halb-Sizilianerin. Ihr Vater kommt von der pelagischen Nachbarinsel Linosa. Seit Februar arbeitet sie in einer Bar auf Lampedusa.

Pina Bonadonna ist Halb-Kielerin und Halb-Sizilianerin.

"Die Lage wirkt angespannt"

Am Donnerstagvormittag sei die „Sea Watch 3“ kaum noch in Sicht gewesen, erzählt sie. Auch am Anleger sei wieder Ruhe eingekehrt, nur noch ein paar Journalisten hätten dort gestanden. „Alle warten darauf, ob das Schiff sich wieder nähert und einfährt“, sagt Bonadonna.

Das war am Nachmittag der Fall, das Schiff wurde aber erneut vor der Küste gestoppt. „Die komplette Mole ist gesperrt. Hier stehen mindestens 30 Carabinieri, der Zoll und die Küstenwache. Die Lage wirkt angespannt.“

Tourismussaison beschäftigt Inselbewohner stärker

Weite Teile der Inselbevölkerung interessiere das Drama, das sich vor der Küste abspiele, relativ wenig. „Die Tourismussaison ist voll im Gange, die Leute müssen viel arbeiten.“

Priester schläft aus Protest auf Kirchentreppe

Eine Ausnahme bilde der Priester der Insel, der schon seit zehn Tagen auf der Treppe seine Kirche übernachte. Das wollte er solange tun, bis das Schiff einlaufen dürfe. In ganz Italien gebe es Nachahmer, die sich aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik auf Kirchentreppen versammelten.

Kielerin ist enttäuscht von EU und Merkel

Unverständlich ist für die 28-Jährige, warum die italienische Regierung offensichtlich an der „Sea Watch 3“ ein Exempel statuieren wolle. „Hier sind gestern 20 Flüchtlinge auf kleinen Booten – wir sagen hier ,Geisterboote’ – angekommen. Die wurden ins Auffanglager auf der Insel gebracht“, so Bonadonna. „Es ist mir ein Rätsel, warum die anderen Flüchtlinge auf dem Schiff wochenlang ausharren müssen. Man müsste ihnen beistehen.“ Sie sei enttäuscht von der Europäischen Union und Kanzlerin Angela Merkel, weil sie nicht eingriffen.

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