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Politik Kindesmissbrauch in der DDR: Kaum Hilfe für die Opfer
Nachrichten Politik Kindesmissbrauch in der DDR: Kaum Hilfe für die Opfer
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14:29 06.03.2019
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs stellt die Fallstudie "Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR“ vor. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Für Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR fehlen 30 Jahre nach dem Fall der Mauer bedarfsgerechte Therapieangebote, lückenlose Angebote für Hilfeleistungen aus Entschädigungsfonds und einfache Zugänge zu ihren Fall-Akten. Damit wirkt die Tabuisierung der Delikte und die Kriminalisierung der Betroffenen in staatlichen Institutionen wie Jugendwerkhöfen  bis heute fort.

Auch die sexuelle Gewalt in DDR-Familien ist bis heute kaum aufgearbeitet. Das sind Ergebnisse einer Fallstudie zum sexuellen Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR, die Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Ausmaß der Brutalität und Vertuschung unterschätzt

Der Untersuchung der Psychologin Beate Mitzscherlich von der Westsächsischen Hochschule Zwickau und der Sozialpädagogin Cornelia Wustmann von der Technischen Universität Dresden basieren auf rund 145 Anhörungen und Berichten von Betroffenen vor der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die beiden Professorinnen, die beide in der DDR aufgewachsen sind, gaben zu Protokoll, dass sie das Ausmaß der in Heimen herrschenden Brutalität und der Vertuschung durch staatliche Behörden selbst nicht für möglich gehalten hätten.

Frühere Bundesministerin spricht von „erschütternden Berichten“

Christine Bergmann, frühere Bundesministerin und Mitglied der Kommission, berichtete von „erschütternden Berichten“ in den vertraulichen Anhörungen. Allein diese Möglichkeit, sich erstmals zu öffnen, hätte vielen betroffenen Frauen und Männern Anerkennung und zum Teil auch die „Rückgabe eines Stücks ihrer Würde“ bedeutet, so Bergmann.

Die Fallstudie "Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR“ Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Die Zwickauer Expertin Mitzscherlich bezeichnete vor allem den Jugendwerkhof Torgau, wo Minderjährige für angebliche Vergehen bestraft und umerzogen werden sollten, als „Herz der Finsternis“, vergleichbar mit dem Fall Waldheim für die Psychatrie. „Missbrauch war die Regel, übergriffiges Verhalten normal.“ Als Beispiele nannte die Psychologin sogenannte Sauberkeitskontrollen oder das Duschen von Mädchen unter den Augen männlicher Erzieher. Wer sich dagegen auflehnte, wurde als Lügner bezeichnet – und bestraft.

Delikte in Familien gab es offiziell nicht

Opfer in Familien hatten vor allem damit zu tun, dass es die Delikte offiziell gar nicht gab, sagte die Sozialpädagogin Wustmann. Bei Abweichungen vom sozialistischen Familienbild wären vor allem Kinder und Jugendliche – etwa durch Heimeinweisung – bestraft worden, sagt sie. „Der Mangel an Zuwendung wurde so noch verstärkt.“

Corinna Thalheim, Chefin der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“, forderte,Verjährungsfristen für die Taten aufzuheben und den Opfer auch finanziell die Möglichkeit für Langzeittherapien zu geben. „Die Bundesrepublik“, appellierte sie, „muss sich diesen Heimkindern annehmen.“

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