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Politik Kino lädt AfD-Mitglieder zu Gratisvorstellung ein – und bekommt Bombendrohung
Nachrichten Politik Kino lädt AfD-Mitglieder zu Gratisvorstellung ein – und bekommt Bombendrohung
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15:58 02.01.2019
Szene aus dem Film „Schindlers Liste“ mit den Hollywooddarstellern Liam Neeson (links) und Ben Kingsley. Quelle: dpa
Berlin

Hachenburg in Rheinland-Pfalz hat etwa 6000 Einwohner, ein paar Kneipen, ein mittelalterliches Schloss – und nun einen handfesten politischen Streit. Grund: Der örtliche Kinobetreiber „Cinexx“ hat alle Mitglieder der AfD zu einer Gratisvorstellung eingeladen. Eigentlich ein Grund zur Freude für die AfD-Anhänger – könnte man meinen. Doch die Filmauswahl stößt unter den Parteigängern nicht gerade auf Begeisterung, im Gegenteil.

Die Einladung gilt nur für den Film „Schindlers Liste“, jenes Historiendrama, das die industrielle Massentötung von Juden zur Zeit des Nationalsozialismus zum Thema hat. Am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, bringt das Hachenburger Kino den vielfach preisgekrönten Filmklassiker des Regisseurs Steven Spielberg wieder auf die Leinwand. Wer einen AfD-Mitgliedsausweis vorzeigt, kommt umsonst rein. Alle anderen bezahlen 7 Euro.

Manch ein AFD-Mitglied empfindet das als Provokation. „Wieder ein Beispiel für die Diskriminierung und Verleumdung politisch Andersdenkender“, schreibt etwa der AfD-Kreisverband aus dem nordrhein-westfälischen Paderborn bei Facebook. Auch in anderen sozialen Netzwerken machen AfD-Anhänger ihrem Unmut Luft. Allerdings bekommen die Kino-Verantwortlichen auch Zustimmung, etwa von der rheinland-pfälzischen SPD:

Doch es ist nicht nur bei Meinungsäußerungen geblieben. Bei Youtube ist ein Video aufgetaucht, in dem von Sprengsätzen die Rede war, die bei der Kinoaufführung explodieren könnten. Das Video rief die Polizei auf den Plan, die nun prüft, wer der Urheber ist und ob eine politisch motivierte Straftat vorliegen könnte.

In einer Stellungnahme versuchen die Kino-Betreiber, die Situation zu beruhigen. Man habe einen Ort zum Gespräch anbieten wollen, die Ausgrenzung oder Diffamierung von AfD-Mitgliedern sei nicht ihr Ansinnen der Veranstalter gewesen, schreiben die Veranstalter.

„Wir behaupten überhaupt nicht, AfD Wähler seien Nazis – ob sie geschichtliche Aufklärung benötigen, liegt in ihrem eigenen Ermessen“ heißt es weiter. „Nach unserer Einschätzung lässt das AfD Parteiprogramm allerdings doch stark auf eine Verharmlosung der damaligen Ereignisse schließen“, so die Stellungnahme des Hachenburger Kinos.

Von ani/RND

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