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Politik Warum der Motorrad-Plan von Verkehrsminister Scheuer Irrsinn ist
Nachrichten Politik Warum der Motorrad-Plan von Verkehrsminister Scheuer Irrsinn ist
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16:30 20.06.2019
Ein beschädigter Motorradhelm liegt nach einem schweren Verkehrsunfall zwischen einem Motorrad und einem Auto auf einer Straße. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Berlin

Vor gut einer Woche auf der Autobahn zwischen Berlin und Rostock: Ein Motorradfahrer wird beim Überholen übersehen, er fliegt mitsamt der Maschine Dutzende Meter durch die Luft auf die Gegenfahrbahn, rutscht dort 30 Meter über den Asphalt und kracht in der Leitplanke.

Es grenzt an ein Wunder, dass keines der entgegen kommenden Autos getroffen wird. Wenige Minuten später landen mehrere Notärzte mit einem Helikopter auf der Autobahn und versuchen sofort, den Verunglückten wiederzubeleben.

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Meine Kinder und ich erleben das alles hautnah, nach einer Vollbremsung stehen wir unmittelbar an der Unfallstelle.

Nach einer halben Stunde kommt der Leichenwagen.

Scheuer will von Mautdebakel ablenken

Auch angesichts dieser schrecklichen Erlebnisse macht das Vorhaben von Verkehrsminister Andreas Scheuer fassungslos, Autofahrern zu erlauben, nach nur kurzer Übungszeit und ohne extra Prüfung ein Motorrad zu fahren. Dabei gilt seit Jahren: Kein Verkehrsmittel ist gefährlicher als das Motorrad.

Während bei Autofahrern jährlich vier Menschen pro 100.000 Fahrzeuge umkommen, sind es beim Motorrad mehr als 14. Berücksichtigt man zudem, dass mit Motorrädern in der Regel weniger lange Strecken gefahren werden, ist das Verhältnis sogar noch ungünstiger. Und wie das Erlebte zeigt, kann ein Motorradunfall auch für die anderen Verkehrsteilnehmer sehr leicht zur Katastrophe werden.

Wenn jemand schon unbedingt auf ein Motorrad steigen will, dann sollte er jedenfalls ausreichend dafür ausgebildet sein. Wer sicher Auto fährt, ist schließlich noch lange kein guter Motorradfahrer. Das dürfte angesichts einer alternden Gesellschaft umso mehr gelten. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass CSU-Minister Scheuer mit diesem populistischen Vorstoß versucht, vom christsozialen Maut-Debakel abzulenken.

Von Timot Szent-Ivanyi/RND