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Politik Kommentar zu „Hart aber fair“: Heimat ist dort, wo das Herz zuhause ist
Nachrichten Politik Kommentar zu „Hart aber fair“: Heimat ist dort, wo das Herz zuhause ist
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11:36 26.02.2019
Quelle: Die RND-Videochefin Joanna Kouzina ist gebürtige Deutsche mit griechischen Wurzeln. Quelle: imago/Klaus W. Schmidt
Hannover

Der Begriff Heimat wird meist sehr subjektiv aufgefasst und interpretiert. Für mich als gebürtige Deutsche mit griechischen Wurzeln, die sowohl einen deutschen als auch einen griechischen Pass besitzt, hat Heimat wenig mit Nationalität zu tun.

Griechenland ist das Land meiner Vorfahren, dort liegen meine ethnischen Wurzeln. Doch das Land fühlt sich für mich nicht wie Heimat an. Genauso wenig würde ich aber auch Deutschland als meine Heimat bezeichnen.

Lesen Sie hier zur TV-Talkshow „Hart aber fair“: Eine Heimat für alle? 

Heimat ist kein Land, sondern eine Herzensangelegenheit

Heimat ist für mich nämlich kein Land, sondern vielmehr eine Herzensangelegenheit. Ein Gefühl, das durch geliebte und vertraute Menschen ausgelöst werden kann, aber auch durch einen besonderen Ort. Ein Platz, eine Person oder etwas, wozu ich eine emotionale Verbundenheit verspüre.

Für mich trifft das auf Hamburg zu. Es ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, in der meine Freunde und Familie leben, mein Fußballverein zuhause ist, wo das Navi überflüssig ist und wo ich weiß, wie ich meinen Kaffee trinke.

Diese Stadt fühlt sich für mich wie Heimat an. Denn all diese Komponenten vermitteln mir ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Und genau dieses Gefühl habe ich bisher weder in einer anderen Stadt Deutschlands noch in Griechenland erlebt. Diese Verbundenheit verspüre ich weder zu Berlin oder München, noch zu Athen oder Trikala.

Bilanz aus der Debatte um „Hart aber fair“-Sendung zu Heimat

Welche Bilanz ziehen Sie aus der Debatte um die Plasberg-Sendung? Diese Frage hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland einigen Politikern gestellt. Nicht alle wollten darauf antworten. Andere aber beziehen Stellung zu der Debatte:

Cem Özdemir, Grünen-Politiker und früherer Parteichef: „Der Weg ist lang und steinig, bis alle bei uns danach beurteilt werden, wo sie hinwollen, und nicht, wo sie herkommen.“

Karamba Diaby, Bundestagsabgeordneter der SPD: „Wir dürfen uns der Diskussion, was Heimat im 21. Jahrhundert in einer pluralen und weltoffenen Gesellschaft bedeuten kann, nicht verwehren. Vor allem aber dürfen wir den Begriff nicht den Rechten überlassen. Ich stehe jedenfalls für einen inklusiven Heimatbegriff, der alle Menschen einbezieht.“

Sawsan Chebli, SPD-Politikerin, schreibt auf Twitter:  „Finds so toll, dass viele ihre #vonhier-Geschichten teilen. Deutschland ist unser aller #Heimat. Rasse, Sprache, Hauptfarbe, Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung: spielt alles keine Rolle. „Hart aber fair“ hat es jetzt hoffentlich auch verstanden.“

Eine "Wir"-und-"ihr"-Debatte schwingt mit

Solch ein Zugehörigkeitsgefühl haben mit Sicherheit auch Tausende andere Menschen in Städten, Plätzen oder an Orten, in denen sie aufgewachsen sind und sozialisiert wurden, wohin sie vielleicht fliehen mussten, weil sie gezwungen waren, ihre ursprünglichen Heimatländer zu verlassen. Doch auch bei diesen Menschen kann sich mit der Zeit ein Heimatgefühl einstellen, weil sie sich dort irgendwann womöglich zuhause fühlen.

Haben diese Menschen weniger das Recht, Hamburg als Heimat zu bezeichnen, weil die eigenen Vorfahren eine andere Heimat hatten? Darf ich Hamburg überhaupt als meine Heimat bezeichnen, obwohl meine Eltern Migranten sind?

Innerhalb der Diskussion um Heimatverbundenheit und Zugehörigkeit schwingt eine "Wir"-und-"ihr"-Debatte mit. Der Begriff Heimat trifft offenkundig einen Nerv. Das haben auch die Reaktionen auf die „Hart aber fair“-Politshow im Vorfeld gezeigt. Der Titel der Sendung „Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?" war natürlich mit Absicht überspitzt formuliert und sollte durch das Fragezeichen auch eine Diskussion anregen. Hat ja auch wunderbar funktioniert. Die dadurch entstandenen Debatten wundern mich trotzdem.

Lesen Sie hier mehr zur Twitter-Debatte: Plasberg nimmt in „Hart aber fair“ Begriff Heimat unter die Lupe

Wer ist eigentlich mit „Deutsche“ gemeint?

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass ich Teil dieser Gesellschaft bin. Bin ich aber überhaupt eine „echte“ Deutsche, wenn meine Wurzeln nicht in Deutschland liegen und meine Eltern in einem anderen Land geboren wurden? Oder bin ich deutscher als ein syrischer Flüchtling, weil ich bereits in der dritten Generation in diesem Land lebe? Wer definiert die Grenzen des „Deutsch-Seins“?

Dürfen nur „echte“ Deutsche Deutschland bzw. deutsche Städte als Heimat bezeichnen? Warum müssen wir überhaupt so verbissen über diesen Begriff diskutieren? Und warum gibt es Menschen, die anderen vorschreiben wollen, was sie als Heimat bezeichnen dürfen und was nicht?

Das Gefühl, mich nicht zugehörig fühlen zu dürfen

Diese Diskussion hinterlässt bei mir das Gefühl, mich nicht hundertprozentig zugehörig fühlen zu dürfen. Muss ich mich denn erst beweisen, bestimmte Kriterien erfüllen und bin in der „Bringsschuld“, bevor ich hier ein Heimatgefühl verspüren darf?

Ich wurde einmal von einer älteren Dame gefragt, wo ich denn so gut Deutsch gelernt hätte, weil man keinen Akzent mehr höre. Ich habe zurückgefragt, weshalb sie so sicher sei, dass ich noch eine andere Muttersprache haben könnte. Ihre Antwort: „Ihr Aussehen verrät, dass Deutschland nicht Ihre Heimat ist“. „Stimmt“, habe ich geantwortet. „Deutschland ist nicht meine Heimat, dafür sind es aber die Deutschen.“

Lesen Sie auch: „Genau diese Diskussion wollen wir“ – WDR verteidigt Talkshow-Titel 

Von Joanna Kouzina/RND

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