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Politik "Ich kann Klagen der Eltern verstehen"
Nachrichten Politik "Ich kann Klagen der Eltern verstehen"
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06:45 04.05.2017
Von Ulf Billmayer-Christen
Trafen sich zum Wohnzimmer-Interview: Henning von Schnöning (re.), Axel Schreiner (li.) und SSW-Spitzenkandidat Lars Harms. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Hier mal so richtig renovieren, da hätte ich Bock drauf.“ Der SSW-Spitzenkandidat Lars Harms braucht nicht lange, um sich in Henning von Schönings Wohnzimmer zu akklimatisieren. Das Wohnzimmer befindet sich noch im Rohbau. Für Gemütlichkeit sorgen eine dampfende Teekanne, Kaffee und Kekse. Seit einem Jahr ist von Schöning schon mit den Renovierungsarbeiten im Einfamilienhaus beschäftigt. Im Herbst will der Bilanzbuchhalter mit seiner „Liebsten“ einziehen. Axel Schreiner nennt ein Reihenhaus sein Eigen. Der zweifache Familienvater ist ebenfalls zu Gast. Gemeinsam interviewen die beiden Kommunalpolitiker Lars Harms. Von Schöning sitzt für die Grünen in der Preetzer Stadtvertretung, Schreiner ist Vorsitzender der Fraktion von CDU und Freier Wählergemeinschaft. Kein Heimspiel für Harms.


KN: Danke für die Einladung. Sieht Herr Harms eigentlich besser oder schlechter aus als auf den Plakaten?

Schreiner: Ich habe Herrn Harms hier in Preetz noch nicht auf Plakaten gesehen ...

Harms: Es kann sein, dass meine Rübe nicht überall zu sehen ist. Ich wurde vor allem im Landesteil Schleswig geklebt.

Schreiner: Für Baujahr 1964 (Harms wurde am 8. November 1964 in Husum geboren) hat er sich ganz gut gehalten.


Schöning: Auf mich wirkt er sehr sympathisch. Ich habe gleich eine Frage: Wir erleben es bei älteren Paaren, dass einer stirbt und der andere dann in einem viel zu großen Haus lebt. Wir wollten deshalb in Preetz ein Haus bauen, das man später in zwei Wohnungen aufteilen kann. Das war aber nicht möglich. Warum plant man Wohnungen nicht so, dass sie teilbar sind?

Harms: Die Planungshoheit liegt bei den Kommunen. Das führt dazu, dass die B-Pläne in Norderstedt andere Vorgaben enthalten als die in Husum oder Preetz. Dabei sind, das ist jedenfalls meine Devise, weniger Vorgaben besser als viele Detailregelungen. Das mit der Wohnungsteilung ist dann kein Problem. Man sucht sich einen ordentlichen Architekten, hält sich an den B-Plan, und fertig ist die Laube.

Schöning: In Preetz ist wegen der geografischen Lage Bauland knapp.

Harms: Ich weiß, dass viele Städte, aber insbesondere Dörfer gern neue Einfamilienhausgebiete ausweisen. Das kann es aber nicht sein. Wir brauchen gerade in Städten mehr Lückenbebauung. Damit sinkt der Flächenverbrauch. Und wir brauchen in Gemeinden mehr Geschosswohnungsbau, also kleine Wohnungen etwa für alleinstehende ältere Menschen oder für Auszubildende, die kein dickes Portemonnaie haben. Das ist eine Herausforderung für Ortspolitiker. Die Wohnungsbauplanung ist ein kommunales Feld, auf dem man sich richtig austoben kann.

Schreiner: In Preetz ist festgelegt, dass Eltern höchstens 35 Prozent der Kita-Kosten tragen müssen. Die Kehrseite ist, dass die Stadt mehr als 50 Prozent der Kosten schultern muss. Das ist für uns ein ganz schön großer Batzen. Wie wollen Sie die Eltern und wie die Kommunen entlasten?

Harms: Die Regierungskoalition aus SPD, Grünen und SSW hat schon eine Menge getan. Wir haben die Kürzung der Vorgängerkoalition bei den Kitas rückgängig gemacht, den Betriebskostenzuschuss erhöht, mehr Geld in die Kita-Qualität gesteckt und das 100-Euro-Krippengeld für Eltern eingeführt. Trotzdem kann ich die Klagen von Eltern und auch von Kommunen nachvollziehen.

Schreiner: Und wie will der SSW die Lage verbessern?

Harms: Wir wollen erstens die Sozialstaffel ausbauen, um Eltern zu entlasten. Ich denke dabei an Menschen mit einem nicht gerade üppigen Einkommen wie kleine Facharbeiter, Busfahrer oder Polizisten. Für sie müssen die Beiträge ermäßigt werden. Und wir müssen zweitens die Finanzierung der Kitas komplett auf neue Füße stellen, um den Kommunen unter die Arme zu greifen. Unser Ziel ist ein landeseinheitlicher Kita-Beitrag von etwa 200 Euro pro Platz, der in den nächsten Jahren dann schrittweise auf Null gesenkt wird. Das alles muss mit Eltern, Kita-Trägern und Kommunen verhandelt werden. Das dürfte ein bis zwei Jahre brauchen. Dann haben wir aber ein verlässliches, transparentes und ziemlich gerechtes System.

Schreiner: Der SSW favorisiert die Gemeinschaftsschule. Sie ist in Preetz gut besucht. In Plön und Schwentinental ist die Lage schlechter. Viele Eltern schicken ihre Kinder lieber auf ein Gymnasium.

Harms: Der SSW steht für ein dreigliedriges System aus Gemeinschaftsschule, Gymnasium und beruflichen Schulen. Da hat sich und da wird sich nichts dran ändern. Wir haben keinen Bock mehr auf Strukturdebatten. Die Schulen sollen sich um den Unterricht kümmern. Dass es eine Schülerflucht zu den Gymnasien geben soll, habe ich so noch nicht gehört. Eher das Gegenteil, dass Gymnasien über die Konkurrenz von Gemeinschaftsschulen klagen. Die Wahrheit ist offenbar von Ort zu Ort unterschiedlich.

Schreiner: Der SSW und mit ihm die gesamte Koalition will Schulen in Problemvierteln besser ausstatten.

Harms: Wie gut eine Schule ist, hängt natürlich auch von der Schülerschaft ab. Deshalb wollen wir eine Art Schul-Sozialindex einführen. Das heißt, etwa Schulen in Kiel-Gaarden oder Lübeck-Moisling sollen mehr Lehrkräfte und Sozialarbeiter bekommen. Ziel ist, die vielen Schüler mit Migrationshintergrund, die gerade in solchen Viertel leben, stärker als bisher zu integrieren. Das geht am besten über die Schule, weil ich über sie die Kinder und Jugendlichen erreiche.

Schöning: Wir haben in Preetz zwar keinen richtigen Problemstadtteil, hätten aber gern eine zusätzliche Bahnstation, den Haltepunkt Glindskoppel. Pendler nach Kiel könnten dann ihr Auto stehen lassen. Dieses Projekt ist uns in Preetz fraktionsübergreifend wichtig.

Harms: Das ist eine gute Idee, kostet aber natürlich Geld und muss deshalb geprüft werden. Ich finde solche Projekte aber besser als die Reaktivierung kompletter Bahnstrecken. Das gilt auch für Hein Schönberg. Aber die Landesregierung hat sich letztlich für die Wiederinbetriebnahme der Linie zwischen Kiel und dem Schönberger Strand entschieden. Das tragen wir als SSW jetzt mit, obwohl es Millionen kostet und die gut funktionierenden Busverkehre in der Probstei bedroht.

Schreiner: Herr Harms, das Land hat die Sportförderung erhöht. Bundesweit ist der Norden aber Schlusslicht.

Harms: Der SSW hat in der Koalition dafür geworben, die Sportförderung auszubauen. Das darf noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ich bin davon überzeugt, dass der Sport der Bereich ist, der flächendeckend die meisten Menschen erreicht. Wir haben auch ein Programm für die Sportstätten aufgelegt, insbesondere für Schwimmbäder. Als nächstes sind Hallen, Plätze und andere Sportstätten dran. Hier habe ich einen Wunsch an die vielen Städte und Gemeinden. Sie müssen klären, welche Sportstätten sie erhalten wollen und welche nicht. Die Vereine müssen kooperieren. Ein moderner Platz für jeden Fußballverein ist nicht drin.

Schreiner: Holstein Kiel klopft an die Tür zur Zweiten Fußball-Liga. Bekommt der Verein Rückendeckung vom Land?

Harms: Wir drücken den Störchen natürlich die Daumen. In Kiel ist bereits ein Sportleistungszentrum entstanden. Sollte Holstein darüber hinaus Hilfe brauchen, um in der Zweiten Liga bestehen zu können, haben wir offene Ohren. Größere Werbeträger als den THW Kiel, Flensburg-Handewitt und eben Holstein Kiel haben wir in Schleswig-Holstein derzeit nicht. Das sind Vereine, zu denen Menschen aufblicken. Der SSW will sie unterstützen.


KN: Das war’s. Wie hat sich Herr Harms geschlagen?

Schöning: Er ist mir noch sympathischer geworden.

Schreiner: Er hat sich sehr gut geschlagen. Er ist bürgernah. Mit ihm könnte ich abends in der Kneipe ein Bier trinken.

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