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Politik Lauterbach schießt gegen Palmer: „Wer wählt denn so einen Spießer?“
Nachrichten Politik Lauterbach schießt gegen Palmer: „Wer wählt denn so einen Spießer?“
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12:41 25.04.2019
Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, gibt in seinem Arbeitszimmer ein Interview. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Es war eine Provokation mit Ansage: Der grüne Bürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, hat eine Bahn-Werbekampagne kritisiert – und wird dafür heftig angegriffen. Twitter-Nutzer bezeichnen Palmer als Rassisten – und stellen offen die Frage, ob er bei den Grünen in der richtigen Partei ist. Palmer hat an diesem Donnerstag eine Facebook-Pause angekündigt.

Den Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach (SPD) schoss jedoch vor der Frist noch einmal gegen Palmer: „Mich wundert es nicht nur, dass ein Grüner solche Vorurteile gegen Ausländer und Migranten hat“, schreibt er da. „Es ist auch unklar, was in Tübingen los ist, einer Stadt, die ich immer sehr geschätzt habe. Wer wählt denn so einen Spießer? Was ist mit den Studenten dort los?“

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Palmer hatte bereits „Facebook-Fasten“ für Mai angekündigt, nun zieht er sich eine Woche früher für eine Weile aus dem sozialen Netzwerk zurück – bis zur Kommunalwahl. Diese findet am 26. Mai statt.

Palmer fühlt sich falsch verstanden

Palmer sagte der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ über seine Entscheidung, er sei entsetzt über die Reaktionen, in denen er vielfach als rassistisch bezeichnet wurde. „Ich wurde falsch verstanden und jetzt wird auf mich eingeprügelt“, klagte der 46-Jährige.

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Er hatte Bilder auf der Homepage der Bahn kommentiert, die Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben zeigen. „Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die ,Deutsche Bahn’ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schrieb Palmer auf Facebook. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Unter anderem sind auf der Bahn-Startseite im Netz derzeit der Sterne-Koch Nelson Müller, Moderatorin Nazan Eckes und der frühere Formel-1-Fahrer Nico Rosberg zu sehen, die auch auf Plakaten und in Werbespots Werbung für die Bahn machen. Im Radioprogramm „SWR Aktuell“ bekräftigte Palmer am Mittwoch seine Kritik an der Kampagne.

Sterne-Koch Nelson Müller (links) und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes (rechts) sind Teil der Bahn-Kampagne. Quelle: Bahn/dpa

„Menschen wie ich, also alte, weiße Männer, tauchen auf dieser Bildauswahl nicht auf“, sagte er. „Das finde ich erst mal erklärungsbedürftig.“ Offen und bunt heiße nicht, dass Personen, die aussähen wie er, auf einmal keinen Platz mehr zugewiesen bekämen.

Palmer vergleicht sich mit Habeck

Ihm gehe es nun wie dem Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck, sagte Palmer der Deutschen Presse-Agentur: „Ich habe eine Sache, zu der ich stehe und die ich weiterhin für richtig halte, falsch kommuniziert, weil ich mir nicht mehr als eine Minute Zeit genommen habe, um die Wirkungen meiner Formulierungen zu durchdenken.“ Den Fehler wolle er jetzt erstmal nicht mehr wiederholen. In der eigenen Partei hatte Palmer schon wiederholt großen Ärger bekommen, weil er die Grünen immer wieder etwa beim Thema Asylpolitik provoziert.

Habeck hatte sich Anfang des Jahres komplett aus den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter zurückgezogen, nachdem er für Äußerungen zum Wahlkampf in Bayern und Thüringen heftig kritisiert worden und zudem Opfer eines Datendiebstahls geworden war.

Zuspruch bekam Palmer von der AfD. Deren Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland teilte am Mittwoch mit, er sei Palmer „dankbar, dass er diese wichtige Debatte angestoßen“ habe.

Der Bahn gehe es bei der Werbung, für die „ausschließlich Personen mit Migrationshintergrund“ ausgewählt worden seien, nicht darum, die Realität in den Zügen abzubilden, „sondern sich in einer gesellschaftspolitischen Debatte politisch einseitig zu positionieren und ,Haltung’ zu zeigen“. Das sei aber nicht ihre Aufgabe.

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Starkoch Müller schrieb auf Facebook, er sei tief bestürzt, dass jemand in so einer verantwortlichen Position die Diskussion auf so negative Art und Weise anfeuere. „Ich fühle mich als Schwabe, der in Stuttgart aufgewachsen ist, persönlich diskriminiert, weil ich nie das Gefühl hatte, dass ich etwas anderes bin als meine Freunde und Mitmenschen in meiner Heimat Deutschland“, schrieb der Koch, der ghanaische Wurzeln hat.

Ich bin tief bestürzt, dass ein Mensch in so einer verantwortlichen Position diese Diskussion erneut auf so einer...

Gepostet von Nelson Müller am Dienstag, 23. April 2019

Ex-Rennfahrer Rosberg warf Palmer auf Twitter vor, er wolle spalten und ausgrenzen. „Ich bin Sohn eines Finnen und einer Deutschen. Völkervielfalt liegt in meinen Genen.“

Von RND/ngo

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