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18:33 02.08.2012
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Schleswig-Holstein soll mehr Lehrer bekommen. Quelle: dpa
Kiel

Die neue Regierung in Schleswig-Holstein nimmt die Streichung von Lehrerstellen durch die schwarz-gelbe Vorgängerkoalition zurück. Sie will im neuen Schuljahr 300 zusätzliche Stellen für Lehrer schaffen. „Wir halten Wort und sorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung“, sagte Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) am Donnerstag in Kiel. 180 der Stellen sollen für Differenzierungsstunden eingesetzt werden, damit Lehrer mehr auf das unterschiedliche Leistungsniveau von Schülern eingehen können. 120 Stellen sollen der Ministerin zufolge an Schulen geschaffen werden, „wo es am meisten brennt“.

Die Stellen werden zum 1. Februar 2013 besetzt. Leider nicht schon zum Schuljahresbeginn, hieß es vom grünen Koalitionspartner. „Wir wissen, dass dieses Signal spät kommt“, sagte Anke Erdmann, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Viele junge Kollegen wären gern an ihren Schulen geblieben. „Nun sind aber mittlerweile viele in andere Bundesländer gegangen, wo man die jungen Lehrkräfte mit Kusshand einstellt“, bedauerte Erdmann. Vielerorts herrscht vor allem in bestimmten Fächern Lehrermangel.

Wende will mit den neuen Stellen auch den von vielen Eltern und Lehrern beklagten Unterrichtsausfall bekämpfen. Allerdings meinte sie: „Das ist nur bedingt ein Problem, das sich mit mehr Stellen korrigieren lässt.“ Wende betonte, dass eben auch im Norden viele Schulen Schwierigkeiten hätten, Lehrer etwa für Naturwissenschaften zu finden. CDU und FDP hatten die Stellenstreichung angesichts langfristig sinkender Schülerzahlen beschlossen, um Geld zu sparen. In diesem Schuljahr werden 22 500 Kinder eingeschult, knapp 500 weniger als im Vorjahr. Die Gesamtschülerzahl sinkt um rund 5500 auf 395 500.

Rechnerisch werden 1400 Lehrerstellen bis 2017 frei. Nach dem Willen der Ampel-Koalition soll die eine Hälfte dieser „demografischen Rendite“ im Bildungssystem bleiben, die andere in die Haushaltskonsolidierung fließen. Wende zufolge liegen die Kosten für die 300 neuen Lehrerstellen bei 15 Millionen Euro. Die Ministerin will dafür beim Vertretungsfonds sparen. CDU und FDP hatten den auf 24 Millionen Euro aufgestockt. Wende will ihn behalten, aber wieder auf zwölf Millionen zurückschrauben. Die Mittel wurden nach Angaben des Ministeriums bisher nicht ausgeschöpft.

„Diese Aufstockung war der falsche Weg“, betonte Wende. Lehrer seien für den Vertretungsunterricht nur befristet eingestellt worden. „Wir dürfen Lehrer nicht wie Leiharbeiter behandeln.“ Wende will mit den eingesparten Fondsmitteln auch Gemeinschaftsschulen stärker fördern. Sie erhöhte die Differenzierungsstunden von drei auf fünf pro Lerngruppe in der Woche. Auch hier hatten CDU und FDP gekürzt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lobte Wendes Schritte als „guten Anfang“. „Durch die Teil-Rückgabe von Differenzierungsstunden an Gemeinschaftsschulen und das Stopfen der größten Löcher bei der Unterrichtsversorgung setzt die Ministerin ein positives Signal für die Schulen“, sagte der Landesvorsitzende, Matthias Heidn. Aber: Wer Bildung dauerhaft verbessern wolle, „darf im Bildungsbereich gar keine Stellenstreichungen vornehmen“.

Harsche Kritik gab es dagegen vom Chef der CDU-Landtagsfraktion, Johannes Callsen: „Die Dänen-Ampel verabschiedet sich mit der Bevorzugung der Gemeinschaftsschulen und der Vorgabe für gemeinsames Lernen von Bildungsvielfalt und Elternwillen und kehrt zurück zur Ideologie- und Klientelpolitik in den Schulen.“ Lediglich die Gemeinschaftsschulen würden bevorzugt. Für den weitaus größeren Teil der Grund- und Regionalschulen sowie Gymnasien sei nicht klar, wie und ob sie an weitere Stellen kommen könnten. Auch Anita Klahn, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, meinte, die Ministerin treibe „auf Kosten der allgemeinen Unterrichtsversorgung ideologisch ihre Vorstellungen von der Einheitsschule voran.“

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