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Politik Cyberkriminalität: Bedrohung ist enorm
Nachrichten Politik Cyberkriminalität: Bedrohung ist enorm
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16:02 24.01.2019
Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Cybersicherheit. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Geknackte E-Mail-Konten, gekaperte Social-Media-Accounts, gehackte Firmen-Netzwerke: In Schleswig-Holstein vergeht kein Tag, an dem kein Unternehmen oder Bürger Opfer von Cyberkriminellen werden. Doch wie kann Schleswig-Holstein sich künftig besser schützen? Abgeordnete sehen Internet-Nutzer in der Pflicht - aber nicht nur.

Albrecht fordert besser Aufklärung gegen Cyber-Kriminalität

Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will dem mit besserer Aufklärung entgegen treten. Der massenhafte Daten-Diebstahl Ende vergangenen Jahres habe gezeigt, dass man das Thema ganzheitlich betrachten müsse, sagte Albrecht am Donnerstag im Landtag.

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Man wolle nun den Dialog suchen zu Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Vertretern kritischer Infrastrukturen - also zum Beispiel Energie- oder Wasserversorgern. Der IT-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung, Dataport, könnte hier mit wichtigem Know-how zur Seite stehen, sagte Albrecht.

Bessere Aufklärung für Nutzer, Software-Hersteller in die Pflicht nehmen

Schleswig-Holsteins Verwaltung sei mit Dataport „gut aufgestellt“, betonte der Minister. Dennoch sei zu beobachten, dass die Qualität von Cyberangriffen stetig zunehme: Man stelle „geradezu eine geschäftsmäßige Automatisierung aufseiten der Angreifer“ fest. Das erfordere zum einen eine bessere Aufklärung der Internet-Nutzer. Gleichzeitig müsse man aber auch Hersteller und Anbieter von Software in die Pflicht nehmen, sagte Albrecht. Diese müssten sichere Systeme herstellen und betreiben.

In der anschließenden Debatte waren sich Vertreter aller Fraktionen einig, dass Cyberkriminalität als ernstzunehmende Bedrohung eingestuft werden müsse. Es sei Glück, dass das Daten-Leak im Dezember keinen allzugroßen Schaden angerichtet habe, sagte der FDP-Abgeordnete Christopher Vogt. Dennoch sei „der schiere Umfang und die Leichtigkeit“, mit welcher der Schüler an die Daten gekommen sei, „schon erschreckend“ gewesen. Vor diesem Hintergrund sei schwer nachvollziehbar, dass noch immer unsichere Passwörter wie „123456“ beliebt seien. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Vogt.

Datenschutz: Keine einfachen Passwörter verwenden

Auch der CDU-Abgeordnete Lukas Kilian appellierte an Internet-Nutzer, die Vergabe von Passwörtern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Persönliche Daten mit einem schlechten Passwort zu sichern sei in etwa so fahrlässig, wie nicht angeschnallt Auto zu fahren. Denn: „Die Bedrohungslage ist enorm.“

Vor größeren Hacker-Angriffen - etwa auf die Stromversorgung - warnte der SPD-Abgeordnete Stefan Weber. Da sei es oft von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, wie gut es abgesichert sei. „Bei kleinen Stadtwerken ist der Schutz oft verbesserungswürdig“, sagte Weber. Dort müsse für Aufklärung und qualifiziertes Personal gesorgt werden. „Hier müssen Taten folgen.“

SSW-Fraktionschef Lars Harms plädierte dafür, bei der Cybersicherheit auch mit ausländischen Partnern eng zusammenzuarbeiten und etwa die bestehende Kooperation mit Israel zu intensivieren. Claus Schaffer von der AfD bemängelte, dass Deutschland bei der Abwehr von Cyberattacken grundsätzlich nicht ausreichend gewappnet sei.

Daten von 204 Politikern aus Schleswig-Holstein veröffentlicht

Ein Schüler aus dem hessischen Homberg hatte im Dezember bei Twitter täglich neue Daten von Politikern, Journalisten, YouTube-Stars und anderen Prominenten veröffentlicht. Von dem Daten-Leak sind laut Landeskriminalamt 204 Politiker aus Schleswig-Holstein betroffen. Dazu gehören Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), SPD-Fraktionschef Ralf Stegner und Grünen-Bundeschef Robert Habeck.

Grünen-Chef Robert Habeck trennte sich nach dem Bekanntwerden von Twitter und Facebook. Ein Schritt, den nicht alle Politiker in Schleswig-Holstein nachvollziehen können.

Von dpa/KN