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Politik Nach Attentaten: Trumps Besuche in Dayton und El Paso stoßen auf Skepsis
Nachrichten Politik Nach Attentaten: Trumps Besuche in Dayton und El Paso stoßen auf Skepsis
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13:31 07.08.2019
Demonstranten protestieren mit Schildern gegen einen bevorstehenden Besuch von US-Präsident Trump. Quelle: John Minchillo/AP/dpa
El Paso

US-Präsident Donald Trump reist am Mittwoch zu den jüngsten Tatorten furchtbarer Schusswaffen-Massaker. Er wolle in El Paso/Texas und Dayton/Ohio Angehörigen der insgesamt 31 Mordopfer Trost zusprechen und die Nation zu Einigkeit und Versöhnung aufrufen, teilte der Sprecher des Weißen Hauses, Hogan Gidley, am Dienstag mit. Trump wolle ein Gespräch darüber haben, wie solche Verbrechen künftig verhindert werden können.

Allerdings wurde bereits vor Trumps Aufbruch nach El Paso und Dayton deutlich, dass der Präsident nach seiner eigenen fremdenfeindlichen und mehr auf Spaltung als Versöhnung ausgerichteten Rhetorik im Wahlkampf ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. In einer kürzlichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew sagten 85 Prozent der Befragten, dass Art und Tonfall der politischen Debatte in den USA negativer geworden seien. 78 Prozent sagten, gewählte Vertreter, die aggressive Sprache benutzen, wenn sie über bestimmte Bevölkerungsgruppe redeten, machten Gewalt gegen diese wahrscheinlicher.

Keine Äußerung Trumps zur Verschärfung von Waffengesetzen

Die Bürgermeisterin von Dayton, Nan Whaley, sagte, sie werde mit Trump am Mittwoch zusammentreffen, sie sei aber enttäuscht von seiner Rede, die er am Montag zu den Massakern hielt. Trump habe zwar „Rassismus, Bigotterie und weiße Überlegenheit“ (white supremacy, ein Kampfbegriff der rechtsextreme Szene in den USA) verurteilt und erklärt, dass „Hass keinen Platz in Amerika hat“. Er habe aber nichts zu einer Verschärfung der Waffengesetze und der Rhetorik gegen Einwanderer gesagt, die in einem Pamphlet vor den Schüssen in El Paso online gingen und an Trumps eigene Wortwahl erinnerten. „Jeder hat es in seiner Macht, eine Kraft zu sein, die Menschen zusammen bringt, und jeder hat es in seiner Macht, eine Kraft zu sein, die Menschen auseinander bringt - und das liegt im Ermessen des Präsidenten der Vereinigten Staaten“, sagte Whaley.

Auch aus El Paso kam im Vorfeld seines Besuchs Kritik am Präsidenten. Trump sei in ihrer Heimatstadt El Paso nicht willkommen, sagte die Abgeordnete Veronica Escobar. Ähnlich äußerte sich der demokratische Präsidentschaftsanwärter Beto O'Rourke. „Dieser Präsident, der dazu beigetragen hat, die Tragödie vom Samstag möglich zu machen, sollte nicht nach El Paso kommen .... Er hat hier keinen Platz“, schrieb O'Rourke auf Twitter. Trump reagierte aufgebracht: O'Rourke, der mit „Beto“ einen unechten Vornamen benutze, um hispanische Abstammung anzudeuten, solle die Opfer und Sicherheitskräfte respektieren und still sein, twitterte er.

Zwei rassistische Attentate innerhalb weniger Stunden

Der Schütze in El Paso in Texas hatte bei seiner offenbar rassistisch motivierten Tat das Feuer in einem Supermarkt eröffnet und 22 Menschen getötet, unter ihnen auch ein Deutscher. Der 21-Jährige wurde festgenommen. Er könnte wegen Mordes, aber auch wegen Hassverbrechen angeklagt werden. Die Polizei geht davon aus, dass er vor der Tat ein rassistisches Pamphlet online gestellt hat. Die meisten der Opfer in der Grenzstadt hatten Wurzeln in lateinamerikanischen Staaten, mehrere waren mexikanische Staatsbürger.

Wenige Stunden nach der Tat in El Paso tötete ein 24-Jähriger in Dayton neun Menschen, darunter seine Schwester, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde. Weil die Polizei vor Ort war, endete sein Amoklauf nach weniger als 30 Sekunden. Sein Motiv war unklar.

Von RND/dpa