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Politik Netzdebatte: Ziemiak wirft Habeck fehlende Vaterlandsliebe vor
Nachrichten Politik Netzdebatte: Ziemiak wirft Habeck fehlende Vaterlandsliebe vor
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14:20 14.10.2019
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak wirft Robert Habeck mangelnde Vaterlandsliebe vor. Quelle: Harald Tittel/Kay Nietfeld/dpa/Montage RND
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Berlin

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak attackiert Grünen-Chef Robert Habeck aufgrund eines fast zehn Jahre alten Zitats und stößt damit eine Netzdebatte über Patriotismus los. Was ist da passiert?

Der Auslöser

Beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken nutzte Ziemiak seine Redezeit auch für einen Angriff auf die Opposition – genauer gesagt auf Robert Habeck. Der ist nicht nur Co-Chef der Grünen und potenzieller Kanzlerkandidat der Partei, sondern liegt im aktuellen RTL-ntv-Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa auch auf dem zweiten Platz im Vertrauensranking deutscher Politiker. Nur der Bundeskanzlerin vertrauen demnach noch mehr Deutsche. Habeck ist also ein Topziel für politische Angriffe aus der Union.

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Ziemiak bemängelte in Saarbrücken Habecks fehlenden Patriotismus. Er sagte: „Jemand wie Habeck, der Vaterlandsliebe nicht kennt, sollte nie Verantwortung für dieses Land bekommen!“ Dem Parteinachwuchs gefiel der Angriff, und so landete er schnell auch auf dem Twitter-Profil der Jungen Union.

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Habeck und die Vaterlandsliebe

Der heutige Grünen-Vorsitzende äußerte tatsächlich mal seine Abneigung gegen die Vaterlandsliebe. In seinem 2010 erschienenen Buch „Patriotismus – Ein linkes Plädoyer“ schrieb Habeck: „Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht.“ Ziemiak ist nicht der Erste, der Habeck das vorhält. Mehrfach tauchte das Zitat in den vergangenen Jahren in den sozialen Medien auf, besonders auf äußerst rechten Accounts.

Die Debatte im Netz

Seit dem Tweet der Jungen Union am Samstag wird besonders auf Twitter debattiert: Sollten deutsche Politiker ihr Vaterland lieben? Ist das vielleicht gar schädlich? Und sollte angesichts des rechtsextremen Terroranschlags wenige Tage zuvor nicht besser über anderes diskutiert werden?

Da wäre der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz. Der warf Ziemiak und der Union-Jugend vor, sich „im AfD-Duktus“ an den Grünen abzuarbeiten.

Der Sprecher der niedersächsischen Grünen Jugend erklärte: „Natürlich kennen die Grünen Vaterlandsliebe! Wir kennen und verachten sie.“

Ein anderer Twitter-Nutzer zeigte seine Kritik am Wunsch nach mehr Patriotismus mit einem Foto eines Weltkriegsgrabes.

Der nordrhein-westfälische Linken-Politiker Jules El-Khatib bezeichnete die Debatte um die Vaterlandsliebe als Ablenkung von einer notwendigen „Debatte über faschistischen Terror und rechte Hetze“.

Andere Twitter-Nutzer sprachen sich hingegen für ein Mehr an Vaterlandsliebe aus. Diese hätte auch einen „liberalen demokratischen Freiheitsgeist“ gebracht, schrieb einer.

Die CDU-Politikerin Serap Güler twitterte ein Foto einer Deutschlandfahne und schrieb, sie wolle diese Fahnen nicht „Feinden unserer freien & offenen Gesellschaft überlassen“.

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RND/fh