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Politik Weiher und Lindenau gehen in die Stichwahl
Nachrichten Politik Weiher und Lindenau gehen in die Stichwahl
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21:07 05.11.2017
Von Bastian Modrow
Foto: Noch wurde kein neuer Verwaltungschef für Lübeck gewählt. Zwei Kandidaten stellen sich der Stichwahl.
Jan Lindenau (li.) und Kathrin Weiher stellen sich in Lübeck der Stichwahl. Quelle: Lena Modrow
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Lübeck

Das Rennen gilt als offen: Beide Kandidaten liegen fast gleich auf. Entscheidend könnte sein, wie sich das Lager des parteilosen Drittplatzierten Detlev Stolzenberg entscheiden wird. 

Mehr als 176.000 Lübecker waren am Sonntag aufgerufen, den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Bürgermeister Bernd Saxe zu wählen. Seit 2000 ist der Sozialdemokrat Verwaltungschef der hochverschuldeten Hansestadt. Kein lukratives politisches Erbe, dennoch hatten sich sechs Kandidaten für die Direktwahl aufstellen lassen. Nicht wenige hatten mit Überraschungen gerechnet: Ungewiss war, wie Stolzenberg bei den Lübeckern ankommen würde. Er setzte im Wahlkampf vor allem auf populäre Themen, mitunter wurde ihm Populismus unterstellt. Thomas Misch, Kandidat der Freien Wähler, kam bei den älteren Lübeckern gut an, der Kandidat von Die Partei, Ali Alam, mobilisierte vor allem Junge. Von Anfang an wenige Chancen wurden dem parteilosen Joachim Heising eingeräumt. 

Letztlich setzten sich die Etablierten durch: Jan Lindenau, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bürgerschaft, holte 29,5 Prozent der Stimmen. Seine Konkurrentin Kathrin Weiher 35,2 Prozent. Beide Kandidaten waren am Abend, nach einer überraschend schnellen Auszählung der 126 Wahlbezirke, zufrieden mit ihren Ergebnissen. "Ich hätte zwar gern die 40 Prozent geknackt, aber letztlich bin ich sehr glücklich, für mein buntes Bündnis ein großartiges Ergebnis erzielt zu haben", sagte Weiher (55). Viele hatten nicht erwartet, dass das Zweckbündnis der unterschiedlichen politischen Lager überhaupt bis zur Wahl halten würde. "Wir alle haben zusammen die Zweifler eines Besseren belehrt und gezeigt, dass man für die Sache hervorragend und harmonisch zusammenarbeiten kann."

Die Ergebnisse der Wahl in Lübeck

Jan Lindenau will nun alle Kraft in die kommenden zwei Wochen Wahlkampf setzen. Seinen Genossen versprach er im historischen Ratskeller ein "Feuerwerk". "Ich habe noch einige Knaller in petto", kündigte der 38-Jährige an.

Vor beiden Kandidaten liegt nun harte Arbeit. Vor allem die Wähler des Drittplatzierten Detlev Stolzenberg (20,5 Prozent) gilt es zu überzeugen. Leicht wird dies nicht, zumal der 56-Jährige noch nicht weiß, ob er seinen gut 14.000 Wählern überhaupt empfehlen sollte, einen der beiden Kandidaten zu wählen. "Das werde ich mit meinen Vertrauten in dieser Woche diskutieren", kündigte Stolzenberg an.  Die übrigen drei Kandidaten blieben unterhalb der Zehn-Prozent-Marke: Misch erreichte 7,5 Prozent, Slam 4,9 und Heising 2,6 Prozent.

Wahlbeteiligung war ernüchternd

Noch-Bürgermeister Bernd Saxe verfolgte den Wahlabend mit "routinierter Entspanntheit". Dass die Wahlbeteiligung mit 39,2 Prozent ernüchternd war, überraschte ihn nicht. "Das Wetter war schlecht und vieles lief auf eine Stichwahl hinaus", sagte der 62-Jährige. Insgesamt sei er mit dem Wahlkampf zufrieden: "Bislang war es ein intensives, faires Ringen ohne Ausfälle. Ich hoffe, dass dies auch bis zur Stichwahl so bleibt." Tatsächlich ist es nicht das erste Duell zwischen Weiher und Lindenau in Lübeck: Vor drei Jahren traten beide schon einmal gegeneinander an. Bei der Wahl um den Posten des Kultursenators hatte damals Weiher die Nase vorn gehabt.

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