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Politik Proteste in Frankreich: Politik mit Arroganz
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07:19 19.11.2018
Protest der Gelben Westen in Marseille: Die Verärgerung der Bürger über Präsident Macrons Reformen macht sich Luft. Quelle: Claude Paris/AP
Paris

Es brauchte wohl nur noch einen Anlass. Die französischen Autofahrer vor allem in den ländlichen Regionen, die sich ohnehin oft von der „Pariser Elite“ abgehängt fühlen, haben ihn gefunden: Sie protestieren in ihren gelben Warnwesten gegen die steigenden Kraftstoffsteuern – und zum ersten Mal fordert eine große Zahl von Bürgern den jungen Präsidenten Emmanuel Macron heraus.

Doch hinter der Wut über die Steuererhöhung steckt mehr. Seit Monaten wächst der Unmut der Franzosen über den ungestümen Präsidenten, der sich wenig Zeit für die Kompromisssuche und die Erklärung von Reformen nimmt und mit unbedacht dahingeworfenen Sätzen viel Porzellan zerbricht. Mal belehrte er Rentner, sie hätten „nicht das Recht, sich zu beklagen“, dann bezeichnete er seine Landsleute bei einem Besuch in Dänemark als „widerspenstige Gallier“. Zugleich bleiben spürbare Auswirkungen seiner Reformen aus. Schon lange wächst bei vielen das Gefühl, über die Maßen besteuert zu werden. Nicht zu Unrecht.

Weil die Opposition zersplittert ist und Macron bequem mit einer eigenen Mehrheit regieren kann, formiert sich der Widerstand im Netz und auf der Straße. Er droht radikal zu werden, da er diverse Wutströmungen auffängt. Das ist gefährlich für Macron. Zwar versichert er, er höre die Kritik, doch herrscht bei ihm zwischen Wort und Tat bisweilen eine Kluft. Tatsächlich muss sich Macron mehr um die sozialen Probleme des Landes und nicht nur um die Förderung der Wirtschaft kümmern. Und er muss bescheidener auftreten. Das Image des arroganten Schnösels schadet der Sache.

Birgit Holzer ist Korrespondentin in Paris.

Von Birgit Holzer

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