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Politik Land darf Ersatz planen
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21:15 18.06.2014
Von Ulf Billmayer-Christen
Der Bund hat grünes Licht für die Vorbereitung eines Ersatzbauwerks für die marode Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal gegeben. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

„Wir werden mit den Planungen unverzüglich beginnen“, versprach Meyer im Landtag. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte der Minister, in der „Variantenprüfung“ sowohl eine Brücke wie ein Tunnel für den Straßenverkehr zu untersuchen. Er kündigte an, noch vor der Sommerpause persönlich bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dafür zu werben, auch einen Kombi-Tunnel mitprüfen zu dürfen. Er würde auch die betagte Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg ersetzen.

 Die teure Kombi-Variante wird bisher vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt. Begründung: Die Eisenbahnhochbrücke würde nach der laufenden Sanierung noch eine Restlebensdauer von „mindestens 50 Jahren“ haben und sei kein Engpass im Schienennetz. „Hier entscheidet sich, ob wir auf kurzfristiges oder langfristiges Denken setzen wollen“, konterte Meyer. Er geht davon aus, dass der Güterverkehr auf der Schiene in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunimmt und die geplante Bahntrasse über Lübeck und den Fehmarnbelttunnel die alte Jütland-Route nicht ersetzen kann. „Wir brauchen beide.“

 Klar ist, dass Schleswig-Holstein sich eine lange Debatte über mögliche Kanalquerungen nicht leisten kann. Die im Vorjahr notsanierte Rader Hochbrücke hält vermutlich nur noch zwölf Jahre. „Nach diesem Sommer müssen wir wissen, wohin es geht“, sagt Meyer. Für den Fall, dass eine Kombi-Lösung in Berlin nicht durchsetzbar ist, gibt es einen Plan B. Ein Straßentunnel könnte so geplant werden, dass er in einem Folgeschritt für Züge ausgebaut werden kann. Eine Ersatzbrücke wäre dagegen vermutlich das Ende einer Kombi-Lösung, weil die Züge wie derzeit in Rendsburg lange Auffahrtsschleifen benötigen würden.

 Die Planungskosten muss Schleswig-Holstein vorschießen. Meyer bezifferte die Sonderausgaben auf 15 bis 20 Millionen Euro. Die Wirtschaft nannte den Planungsbeginn „sehr erfreulich“, erinnerte aber auch das Verfallsdatum der Rader Hochbrücke. „Es ist auch höchste Zeit, wenn man berücksichtigt, wie lange wir für die Umsetzung solcher Vorhaben in Deutschland brauchen“, sagte der Präsident der Unternehmensverbände Nord, Uli Wachholtz. Zukunftsfähiger wäre aber eine kombinierte Schienen- und Straßenlösung.

 Im Landtag wurde der Planungsstart ebenfalls begrüßt. „Das ist ein guter Tag für Schleswig-Holstein“, sagte der CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp. „Die A7 ist die wichtigste Autobahn in Deutschland.“ Ein Kombi-Tunnel wäre schön, lasse sich aber vermutlich nicht innerhalb von zwölf Jahren planen und bauen. Die FDP hat das Kombi-Modell noch nicht abgeschrieben, ebenso die Grünen. „Der Bau eines kombinierten Tunnels mag zwar heute teurer sein, er wird sich aber für unsere Kinder und nachfolgende Generationen rechnen“, sagte die Fraktionsvorsitzende Eka von Kalben.

 Für den SSW erinnerte Flemming Meyer an den Zeitgewinn, den eine Verlegung der Bahnstrecke von Rendsburg nach Rade bringen würde. „Die Brücke ist nicht mehr zeitgemäß, ein schönes Wahrzeichen für Rendsburg, aber nicht tauglich für einen modernen Schienenverkehr.“