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Politik Rassismus-Kritik: Afrika-Beauftragter Nooke bedauert Hubers CDU-Austritt
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06:51 09.08.2019
Günter Nooke ist Persönlicher Afrika-Beauftragter der Bundeskanzlerin. Quelle: imago stock&people via www.imago-images.de
Berlin

Der Afrika-Beauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke (CDU) verteidigt seine Reaktion auf die Rassismusvorwürfe gegen Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und bedauert den Parteiaustritt des früheren Fernsehkommissars (“Der Alte”) und Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber. “Ich lege Wert darauf, dass ich Herrn Tönnies in keiner Weise verteidigt habe, sondern seine Wortwahl als völlig inakzeptabel bezeichnet habe”, sagte Nooke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Meine Aussage war auch in keiner Weise relativierend gemeint."

Er bedaure sowohl den CDU-Austritt von Huber als auch seine Äußerungen zum Afrika-Beauftragten. "Wir haben zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter gut zusammengearbeitet, zumindest hat er mich und meine Afrikapolitik in der Vergangenheit nicht kritisiert, sondern eher unterstützt.”

Nooke reagiert damit auf Vorwürfe des hessischen CDU-Politikers, dass der Afrika-Beauftragte die rassistisch motivierte Kommunikation von Tönnies relativiert hätte. Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, so Tönnies, der inzwischen sein Amt bei dem Bundesligisten ruhen lassen muss.

Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen.

Afrika-Beauftragter Günter Nooke (CDU)

Nooke hatte als Reaktion darauf gegenüber dem RND gefordert, eine ehrliche Debatte zu führen. „Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden.“

Er hatte allerdings eingeschränkt: „Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen." Nötig sei “eine sachliche und möglichst ideologiefreie Debatte über das afrikanische Bevölkerungswachstum”. "Leider erschweren Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion.“

Nooke sagte dem RND nun, dass auch die teilweise ungenaue und auf Internet-Klicks ausgerichtete Medienberichterstattung genau diese notwendige und sachliche Debatte verhindere. “Mein Vorschlag: Wiedervorlage in vier Wochen oder Monaten - ohne rassistischen Anlass.”

Charles M. Huber, der auf Facebook angekündigt hatte, wegen Nookes Äußerungen aus der CDU auszutreten, ermittelte als Kommissar Henry Johnson in der ZDF-Krimiserie „Der Alte“. Der 62-Jährige saß für den Wahlkreis Darmstadt von 2013 bis 2017 für die CDU im Bundestag und setzte sich besonders für die Belange Afrikas ein. Er ist Sohn eines senegalesischen Diplomaten und einer Deutschen.

Huber: Flankenschutz für rassistische Äußerung

"Flankenschutz für eine rassistische Äußerung ist inakzeptabel“, sagte Huber am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Nooke habe gewusst, zu welchem Zeitpunkt er so etwas sagt und setze sich vor dem Hintergrund der Tönnies-Aussage mit in das Boot. „Das geht nicht und ist nicht verantwortungsvoll.“ Es sei seine Aufgabe, sich um das Verhältnis mit Afrika zu kümmern und nicht als Innenpolitiker aufzutreten. Solche Ressentiments zu verschlimmern sei brandgefährlich.

„Die CDU lässt Rassismus zu, das kann ich nicht weiter hinnehmen“, sagte Huber der „Welt“ über seine Motive und zeigte sich besorgt über einen zunehmenden Rassismus in Deutschland seit der Flüchtlingskrise. „In der öffentlichen Wahrnehmung ist dadurch jeder zum Flüchtling geworden - auch die, die wie ich in Deutschland geboren wurden, auch die gut Integrierten.“ Die Erfahrungswelt von Schwarzen werde in Deutschland komplett negiert.

Der Generalsekretär der CDU Hessen, Manfred Pentz, bedauerte die Entscheidung Hubers. „Ich persönlich appelliere immer dafür, sich an einer innerparteilichen Diskussion zu beteiligen und konstruktiv einen Lösungsweg zu finden“, erklärte er in einer Mitteilung. Ein Rückzug sei seines Erachtens nicht der richtige Ansatz. „Den Vorwurf, dass unsere Partei Rassismus dulde, weise ich mit Nachdruck zurück.“

Von Thoralf Cleven/RND

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